„Einen Scheiß muss ich“ – über Lebensqualität und Mindset

Mein Beitrag zur Blogparade „Lebensqualität“ von Stefanie Ochs (www.zarameh.de)

Als ich von Stefanies Blogparade zum Thema Lebensqualität gehört habe,war ich sofort Feuer und Flamme.

Denn erst vor Kurzem hatte ich mich genau zu diesem Thema hin gesetzt und mir eine Stichpunkt-Liste erstellt, was genau ICH darunter verstehe.

Nicht ohne Grund, denn nach der Trennung von meinem Lebensgefährten war ich ganz weit weg von mir und dem Leben, wie ich es mir vorstellte.

Und was ist da wichtiger, als sich neu auszurichten?

Wisse, was Du willst

Die Krux in solchen Phasen ist allerdings, dass Du ganz genau weißt, was Du NICHT willst – ziemlich blöd, oder sagst Du dem Taxifahrer auch, dass Du NICHT nach Paris willst?
Der bekommt von Dir eine ganz konkrete Adresse – warum schaffen wir das so wenig, wenn es um unsere Bedürfnisse, unsere Lebensträume, Werte – uns selbst – geht?

Worthygiene – das Aufräumen im Denken

In diesem Zusammenhang fällt mir schon seit vielen Jahren etwas negativ auf:
Ich lese sehr viele Online-Artikel und Blogposts, und was mich wirklich ganz fürchterlich daran stört, ist dass viele mit der Phrase „Du MUSST…“ kommen.
Abgesehen davon, dass mein Lieblingsspruch lautet:

„Einen Scheiß muss ich“,

finde ich es wirklich sinnvoll, sich mit diesem „Muss“ mal auseinander zu setzen.

Ist es wirklich wahr, was wir alles so ‚müssen‘???

Ich muss arbeiten, ich muss einkaufen, ich muss putzen, ich muss auf’s Klo –

benutzen wir das Wörtchen ‚muss‘ wirklich bewusst?

Lebensfreude
©pixabay.com

„Muss“ vs. bewusster Selbstverantwortung

Ich behaupte mal, dass wir viel zu gedankenlos mit der Verwendung dieses Wortes umgehen.

Selbst wenn Du Deinen Job nicht magst, hast Du Dich aus verschiedenen Gründen dazu entschieden, ihn zu machen: Wegen des Geldes; weil Du eine Familie zu versorgen und/oder Kredite abzuzahlen hast; weil Arbeitslosigkeit für Dich keine Option ist; andere Jobs schwer zu finden sind – die Liste ist lang.

„Ich muss einkaufen“ – nun ja, die Alternative ist ein ggf. leerer Kühlschrank (oder Magen). Du entscheidest Dich dafür, Dinge in Deinen Warenkorb zu legen, die Du essen/kochen/trinken magst.

Selbstverantwortung bewusst zu leben bedeutet, Dir klar darüber zu sein, dass Du für jede Pro-Entscheidung Dich gegen die Alternativen entscheidest. Das bedeutet auch, einen gewissen „Preis“ für Deine Entscheidung zu zahlen.

Willst Du partout nicht mit leerem Magen da sitzen und das Weiß deines Kühlschrank-Innenlebens studieren, „zahlst“ Du: Mit der Zeit, die Du zum Einkaufen brauchst; möglicherweise nervigem Warten an der Kasse; natürlich auch dem Geld, was Du in Ware tauschst.

Doch die Entscheidung zum Einkaufen triffst Du völlig selbstverantwortlich.

Genauso wie Du Dich PRO Arbeitsstelle und gegen Arbeitslosigkeit, Ungewissheit und Geldeinbussen entscheidest; auf’s Klo zu gehen, statt in die Hose zu machen; Du die Wohnung putzt, weil Du es aufgeräumt und sauber magst – statt mit Staubmäusen in Zentimeter hohem Schmutz-Teppich Fangen zu spielen.

Lebensqualität – Du entscheidest

Für mich hat Lebensqualität eine Menge damit zu tun, dass ich mir darüber bewusst bin, alles selbst zu entscheiden.

FÜR Ordnung und Sauberkeit – oder mal alle Fünfe gerade sein lassen?

FÜR mein Lieblingsessen/-Trinken – oder Vorlieb nehmen mit dem, was da ist?

FÜR jeden Bereich meines Lebens, meiner Werte – meiner Gedanken und Worte.

Wie wäre es also mit folgenden Alternativ-Formulierungen?

„Ich werde erst noch/vorher noch einkaufen“,

„Ich plane, dann meine Wohnung in Ordnung zu bringen“

„Ich gehe dann/bin dann auf der Arbeit/ verdiene dann meine Brötchen“

Lebensqualität
Dein Weg zurück zu Dir

 

Familie vs. Selbst entscheiden – ein Widerspruch in sich?

Ich wurde mal gefragt, inwiefern Selbstverantwortung/ eigene Entscheidungen und eine Familie zu haben im Widerspruch stehen.
Das lässt sich auf alles ausweiten, wo es um das Thema Pflichterfüllung geht.

  • Dem Arbeitgeber gegenüber
  • dem Partner gegenüber
  • den Kindern/der Familie gegenüber
  • den Haustieren gegenüber
  • Dir selbst gegenüber

Sich selbst Gedanken über Selbstverantwortung und Eigen-Entscheidungen (und deren Preis) zu machen, ist in meinen Augen einer der wichtigsten Schritte zu mehr Authentizität – und Erwachsen-sein!

Natürlich mag ich nicht IMMER Putzen; habe manchmal ein Motivations-Tief in meinem Job oder hadere mit der Pflichterfüllung gegenüber meinem Partner, Kind oder Haustier.

Doch wenn ich mir die Alternativen bewusst mache oder auch nur vorstelle, die Konstellation wäre eine ganz andere, sehe ich oft genug die Konsequenzen:

  • kein Job = viel Zeit, wenig Geld, Zukunft ungewiss
  • keine Familie/Kinder (ggf. aus dem Haus) = Wichtige Bausteine/Stützpfeiler fehlen
  • kein Putzen = Chaos und Unordnung nehmen Überhand; je länger ich damit warte, umso zeitaufwändiger und unübersichtlicher wird eine zukünftige Aufräum- und Putzaktion
Lebensqualität
Lebensqualität

Bewusstes Denken verändert Dein Mindset

In diesem Sinne wirkst Du durch sogenannte Wort- und Gedankenhygiene in ungeahntem Ausmass auf Dein Unterbewusstsein ein!

Schon allein durch diese Umformulierungen und dem Wissen darum, dass Du Dich bewusst DAFÜR entschieden hast (und immer wieder entscheidest), bist Du frei.

Freiheit ist der am häufigsten genannte Wert in Bezug auf Lebensqualität – doch Wenige sind sich wirklich bewusst darüber, dass sie sich durch ihre Wortwahl selbst boykottieren!

Worte und Gedanken(muster) hängen allerdings ganz eng mit unserem emotionalen Sein zusammen.

Nun rate mal, wer glücklicher ist: Der, der sich bewusst für XY entscheidet, oder derjenige, der es als ‚muss‘ formuliert?

Lebensqualität – viel mehr als nur Freiheit

Ich persönlich habe mir aus den vielen Werten und Situationen, die für mich Lebensqualität bedeuten, mit der achtsamen Verwendung des Wörtchens „MUSS“ ein sogenanntes Basic heraus gepickt.

Natürlich ist das längst nicht alles, was meine persönliche Lebensqualität ausmacht.

Als sogenannter #HSP (highly sensitive person) und Scanner ist für mich Vielseitigkeit und Abwechslung, aber auch Allein-Zeit wichtig.

Ebenso wie tiefgründige Gespräche – aber auch Herumalbern mit Freunden.

Ganz oben auf meiner Lebensqualitäts-Liste stehen Genuss und Wertschätzung.

Und mir selbst ebenso gut zu tun wie anderen, gehören für mich ebenfalls dazu.

Sich selbst einzubringen und Selbstausdruck haben mir in den vergangenen Monaten oft gefehlt – jetzt spüre ich mich viel motivierter und engagierter, genau DAS zu tun!

Kreativ zu sein und Wertschätzung sowie Dankbarkeit auszudrücken/ zu empfinden, sorgen für unglaublich hohe Zufriedenheit – bis hin zum Flow!

Und immer wieder Neues lernen – ich habe so viele Interessen, dafür reicht ein einziges Leben gar nicht aus!

Ich denke, gerade diese Unterschiedlichkeiten machen das Leben facettenreich, interessant und erfüllend.

Aktion und Ruhephasen, Geselligkeit und Allein-sein, Tiefgründigkeit und Unbeschwertheit, Zufriedenheit und Herausforderungen – für mich ist Lebensqualität ein bunter Strauss von Gefühlen und Aktionen.

Und über all ihnen steht: Einen Scheiß muss ich! 🙂

 

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5 Gedanken zu “„Einen Scheiß muss ich“ – über Lebensqualität und Mindset

  1. Hi Sabine,
    Du sprichst mir aus der Seele. Schon immer habe ich auf dieses Wörtchen „muss“ allergisch reagiert. Schon als Kind – und ich war ein ziemlich artiges – habe ich meist gemacht, um was ich GEBETEN wurde. Aber wehe, wehe, es kam als Befehl „Du musst“ ………. da durfte man dann schon damals meine sprichwörtliche Stier-Sturheit kennenlernen ;-). Seitdem gilt auch für mich – genau wie für Dich: Ich muss einen Scheiss!! . Danke für den Artikel.
    Liebe Grüße
    Ute

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    • Danke Ute, wahrscheinlich fühlen wir uns deshalb so nah, obwohl wir uns bisher noch nicht begegnet sind.
      Ich MUSSTE immer funktionieren, gerade als Kind war es Überleben und sich selbst emotional retten.
      Jetzt lebe ich wohl eher krass, im Gegensatz dazu. Angepasst war ich nie, nicht wirklich. Hatte nie das Gefühl, wirklich dazu zu gehören, zu all den Oberflächlichkeiten.
      Was mir immer „aufstößt“ ist dieses MUSS. Und auch, wenn es manchmal dauert, komme ich doch immer wieder zurück zu meinem „einen Scheiß muss ich“… 🙂

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  2. Mir selbst und anderen gut tun! Welch schöne, bewusste Formulierung. Ein toller, bereichernder Beitrag. Schön, dich auf diese Weise kennen zu lernen.
    Danke liebe Sabine
    herzliche Grüsse
    Stefanie

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    • Ich hab damit das Gefühl, nicht nur Dir und mir aus der Seele zu sprechen, liebe Stefanie.
      Balance, zumindest mittelfristig betrachtet, ist sehr wichtig. Und nichts in der Natur tut etwas nur für sich.
      Dennoch ist dafür Energie-tanken nötig – was genau dieses“mir selbst und anderen gut tun“ aussagt.
      Ich bin zutiefst egoistisch – ich liebe es, Menschen, Leben, Welt zu lieben! Und das zahlt mir sooo viel zurück!!!
      Ich drück Dich!

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  3. Ein ganz toller Artikel! Wundbar! Vielen Dank!. Das sage ich auch immer… alle müssen immer alles. Dabei ist es immer eine ENTSCHEIDUNG und zwar immer die desjenigen, der es gerade tut.

    Du hast das wunderbar auf den Punkt gebracht!

    Vielen Dank!

    Beste Grüße,
    Gerd

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