Triggerst Du noch, oder liebst Du schon? Von erwachsenen Beziehungen vs. Egomanie

Wer kennt es nicht: Nach heißer Verliebtheit kommt irgendwann die Phase, wo wir eben auch die eher negativ behafteten (bewerteten) Seiten des Partners wahr nehmen. War das nicht alles einmal ganz anders??? Vielleicht habt Ihr meine „Rant-Story“ vor einigen Tagen gelesen – falls nicht, kommt das Thema hier zum Teil dennoch noch einmal zur Sprache.

Denn genau hier ist der Punkt, der viele Beziehungen irgendwann mal erwischt – und für den wir aus psychologischer Sicht noch nicht einmal viel können! Was Dir da immer wieder mal ins Handwerk pfuscht und wie Du es schaffen könntest, eine erwachsene Beziehung zu führen, liest Du hier. (2.097 Wörter, die lohnen in die Tiefe blicken und Gedankenanstöße bieten).

Infantile Liebe: Ich liebe, weil ich geliebt werde,

unreife Liebe: Ich brauche Dich, weil ich Dich liebe,

erwachsene Liebe: Ich werde geliebt, weil ich liebe“

(Erich Fromm)

 

Blick ins Emotionalhirn

Was um alles in der Welt verhindert immer wieder, eine dauerhafte, beide Seiten bereichernde Beziehung zu führen? Diese Frage stellen sich Viele, und hier gehe ich mal kurz auf die ersten Phasen einer (entstehenden) Liebe ein:

  1. Verliebtheitsphase (meist ca. +/- 3-18 Monate): Die Sehnsucht ist unbändig, unser Schatz das tollste Wesen auf diesem Planeten – eben „einer von 80 Millionen“, wie es dieser tolle Song sehr treffend beschreibt. Wir finden uns in ihm/ihr wieder, Herzen und Seelen scheinen im Gleichklang zu schlagen. Wir gegen den Rest der Welt – da passt kein Quantenteilchen mehr dazwischen! Selbst Internet- oder TV-Junkies haben nur noch Augen und Aufmerksamkeit für den anderen; sich selbst und den anderen neu entdecken prägt diese Phase der Beziehung.
    Zu erwarten, diese Phase würde ewig halten, ist eine echt unreife Einstellung. Leben ist per se stetiger Wandel – warum sollte das mit Beziehungen anders sein? Das soll aber nicht enttäuschen, nicht umsonst unterscheiden wir Verliebtheit von Liebe, die in ihrer Tiefe eine ganze andere Beziehungstiefe ermöglicht – doch Viele lernen diese Phase gar nicht erst kennen, weil sie zum Ende der Verliebtheitsphase nicht akzeptieren wollen, dass a) eine gewisse „Normalität“ eingetreten ist (die aber nichts damit zu tun haben sollte, dass alles selbstverständlich wird!), und b) ebenso wenig bereit sind, sich mit weniger romantischen, angenehmen Anteilen einer Beziehung (geschweige denn sich selbst) auseinander zu setzen.
Triggerst Du noch
©pixabay.com
  • Die rosarote Brille wird abgesetzt:
    Einige Therapeuten oder Wissenschaftler meinen, dass wir dann erst Verhaltensweisen usw. am Gegenüber wahrnehmen, die uns nicht gefallen. Meiner Ansicht nach ist das eine von beiden Seiten kommende Entwicklung: Zum Einen wird es „normaler“, den anderen um sich zu haben, doch unser „Neandertalerhirn“ tut das Seine dazu: Die Spezies Mensch hätte bis jetzt nicht überlebt, wenn sie nach einer gewissen Zeit nicht nach Verbesserung streben würde – und so wird der Blick kritischer und Verhalten oder Einstellungen, die wir in der Verliebtheitsphase noch toleriert oder liebevoll übersehen haben, potentieren sich mit der Einstellung des Gegenübers, dass Vieles eben nun normaler ist.
    Ganz schlimm ist dieses Empfinden für #HSPs und Empathen, denn sie spüren die Intentionen hinter den Erwartungen/Ansprüchen/Verhalten des Gegenübers – und sind dann schnell verletzt, wenn der Andere seinen bisher geliebten Partner nur noch all das überlässt, was ihm selbst zu unbequem ist – mit einer Selbstverständlichkeit, die den #Empathen die Liebe des Partners komplett infrage stellen lässt. Denn: Welche Gefühle habe ich meinem Liebsten gegenüber, wenn ich ihm den ganzen Müll zumute, der mir nicht passt???

    Hier haben beide Seiten die Chance, durch Reden (ohne Anklagen) und Umsetzen einen wertschätzenden gemeinsamen Umgang miteinander und mit anfallenden Unliebsamkeiten abzuklären, bei denen keiner der Beteiligten übervorteilt wird. Wie heißt es so schön: Geteilter Scheiß ist halber Scheiß… 😉

    erwachsene Liebe
    erwachsene Liebe

    Hier trennen sich nicht nur die meisten Paare, es ist für die meisten Beziehungen klassisch. Erwachsene Liebe akzeptiert, dass es diese Verliebtheitsphase NIE wieder in dieser Beziehung geben wird – dennoch haben wir die Möglichkeit, darauf einzuwirken. Denn: Kein Mensch ist bzw. bleibt gleich, es gäbe so Vieles am Gegenüber zu entdecken (in das man sich neu verlieben kann), wenn wir uns offen halten und uns bemühen, diese auf täglicher Basis entdecken zu wollen.
    Das hat mindestens so viel mit Akzeptanz des Anders-Seins des anderen zu tun wie auch mit dem Entwickeln einer Routine (mind. 21 Tage lang) sich nicht nur bewusst zu machen, was wir bisher schon an dem anderen lieben und schätzen, aber auch zu beschließen, eben täglich Neues finden zu WOLLEN, was wir an dem anderen mögen – statt den üblichen Weg der „Fehlersuche“ zu beschreiten.
    Doch hier spielt noch ein weiterer, ganz und gar nicht zu unterschätzender Punkt hinein:

    Das getriggerte Ego
    Entschuldigt bitte, dass ich nochmals tiefer steige, denn hier liegt mit einer der wichtigsten Schlüssel für die Wahrscheinlichkeit einer erwachsenen Liebe!!!
    Getriggert werden wir über unser Unterbewusstsein, was es so schwer macht, anders zu reagieren. Unser limbisches System reagiert, ohne dem Großhirn die Möglichkeit der verstandesgemäßen Intervention zu geben. Wir kennen das z.B., dass uns Ungerechtigkeiten selbst von Wildfremden, die uns völlig egal sein könnten, innerhalb kürzester Zeit auf 180 bringen können – noch schlimmer ist es, wenn ein geliebter Mensch diese Triggerpunkte drückt.
    Entstanden sind diese Triggereien in unseren ersten Lebensjahren bzw. -Monaten, wo wir – und damit unser Überleben – komplett abhängig war von unseren Eltern bzw. entsprechenden Betreuungspersonen.
    Säuglinge, die viel allein gelassen wurden oder von wechselndem Personal betreut wurden, haben viele Triggerpunkte, die von Eifersucht über übertriebene Einforderung von Liebe(-sbeweisen) usw. permanente Drama-Beziehungen führen. Werden sie wie eine Nebensache behandelt oder mit fehlendem Respekt, werden hier Aspekte der Kindheit, die sich als Traumata im emotionalen Gehirn abgespeichert haben, berührt. Selbst als Erwachsener haben wir nur keine Möglichkeit, direkt vor dem Auftauchen der verknüpften Gefühle einzugreifen – aber mit dem richtigen Training können wir es schaffen, dennoch inne zu halten und bewusst anders, erwachsener zu reagieren!
    Ich selbst habe dies seit dem vergangenen Frühjahr mehrfach erlebt. Sowohl in Freundschafts- als auch in Liebesbeziehung.
    Ja, es bedeutet viel Achtsamkeit für sich selbst und den anderen aufzubringen. Und ja, es bedeutet auch, mehr als nur tief durch zu atmen, wenn die Knöpfe gedrückt werden, die tiefste Verletzung, Frust und mehr bei Dir auslösen. Doch ich habe erfahren, dass es nicht nur machbar, sondern auch ein ganz wichtiger Teil einer erwachsenen Beziehung ist!
    Viel geholfen hat mir das „mich-zurück-erinnern“ an die Anfänge der Beziehung und all der Bezugspunkte/-Momente, in denen mir das Herz aufgegangen ist. Aber vor allem auch die Frage: Wo, an welchem Punkt hätte ich etwas ändern wollen?“. Mir vor Augen zu halten, was da aus meiner Kindheit hochkommt, hat mich zusätzlich in die Lage versetzt, den Trigger zu erkennen. Dadurch konnte ich die vorliegende Situation deutlich leichter akzeptieren, bzw. die verbundenen Emotionen herunter fahren. Somit entsteht die Möglichkeit, ohne Vorwürfe mit dem Gegenüber konstruktiv zu sprechen.
    Denn: Es heißt nicht, sich alles gefallen zu lassen, sondern Dinge, die wir als unfair, respektlos usw. empfinden, dennoch zu thematisieren.
    Einzige Knackpunkte: Es ist nötig, sich der Traumatas der eigenen Kindheit bewusst zu sein und Verbindungen zwischen diesen und den Triggern zu erkennen, was mir als studierte Psychologin und #HSP recht leicht fällt, da ich mich vor vielen Jahren ausgiebig damit auseinander gesetzt habe. UND: Ist das Gegenüber dazu weder in der Lage noch gewillt, sich mit sich selbst auseinander zu setzen, wird’s kritisch bis unmöglich. Menschen mit der Einstellung „ich ändere mich für nix und niemand“ und null Interesse in die Tiefe ihres Selbsts und ihrer Persönlichkeit öffnen sich schlichtweg nicht für die innere Entwicklung – und bleiben dadurch in 90% der Fällen auf dem Status der unreifen bzw. infantilen Liebe stehen. Schade drum, wenn der Gegenüber die perfekte Plattform bietet, sich selbst besser kennen (und lieben) zu lernen…

    erwachsene Liebe
    erwachsene Liebe
  • Macht und Kampf
    Die dritte Phase geht meiner Ansicht nach übergangslos aus der zweiten über und überlappt sich auch in vielen Bereichen. Jeder will das Sagen haben, Machtkämpfe demonstrieren sehr deutlich, dass die Achtung des anderen momentan die allergeringste Rolle spielt. Egal wie sehr sich dieser in das gemeinsame Leben einbringt, egal welche schönen Seiten des Lebens durch die Anwesenheit des anderen entstehen – nichts davon spielt gerade eine Rolle.
    Unreifer geht’s nimmer! Das ist nun wirklich Kindergartengebären doch wir finden es in jeder Altersklasse wieder.
    Heute jedoch suchen immer mehr Menschen erwachsene Liebe, beschäftigen sich mit ihrer eigenen Persönlichkeitsentwicklung – und haben darum auch deutlich eher die Chance, dieser dritten Stufe so wenig Raum wie möglich zu geben.
    Erstens durch tägliche Wertschätzung:
  • der Anwesenheit des Anderen
  • dessen positiven/ausgefallenen/berührenden Einfluss auf unser Leben
  • nebeneinander wach zu werden
  • miteinander austauschen zu können
  • Schönes wie Blödes miteinander zu teilen
  • gemeinsame Pläne zu schmieden und umzusetzen
  • u.v.m

Viele vergessen schon nach kurzer Single-Zeit, was ihnen im Single-Dasein gefehlt hat. Da kann in der Phase 3 der Partner noch so wundervoll sein, in dieser (unreifen) Phase sind über 90% der restlichen Trennungen zu finden – die sich nicht schon in Phase 2 getrennt haben.

Andere wiederum, die sich mit der eigentlich gemeinten Einheit der Lebewesen auseinander setzen, suchen weniger nach Trennungen als nach Verbindungen, Gemeinsamkeiten. Diese haben eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit, die Phase 3 nicht nur abzukürzen, sondern auch keinen Sinn im Machtgerangel zu finden.
4. Phase 4: Individualität vs. Einheit
So langsam schippern wir Beziehungs-technisch in ruhigeres Gewässer. In unreifen Beziehungen beginnt hier die Phase des „sich-erneut-für-den-Partner-interessierens“, die schon in Phase 2 als Ratschlag für die Beständigkeit der Beziehung (bei erwachsener Liebe) gilt. Hier sieht man auch den großen Unterschied zwischen infantilen, unreifen und reifen Beziehungen, denn wo die Einen den Blick konstruktiv aufeinander und als Ziel ein angenehmes, schönes Miteinander haben, sind die anderen nur darauf aus, ihre eigene Ego- Position zu festigen bzw. zu betonieren!
Diese Phase ist sowohl eine Phase der Individualisierung als auch der Stärkung der Gemeinsamkeiten. Hier streben wir dazu, eine Balance zwischen eigener Erhaltung und Selbstverwirklichung einerseits zu finden, wie den Gemeinsamkeiten und dem anderen Ich genügend Raum für Ebensolches zu geben.
Unreife Lieben können in dieser Phase reifen – sofern sie es bis hier her geschafft haben.
Das hängt aber auch davon ab, welche Intention sie bis hierher hat „durchalten“ lassen.
Waren es Abhängigkeiten (der Kinder wegen, finanziell, wegen gemeinsamen Schulden, gemeinsamer Firma, emotional…), die Angst vor dem Allein-Sein oder aber der völlig entgegen gesetzte Wille, diesmal länger mit jemandem zusammen zu sein, egal was komme – all diese Gründe sind dem Unreifen, dem Ego entsprungen.
Der moderne Mensch von heute erkennt sich bewusst als ein facettenreiches Wesen, dessen Bewusstsein etwas anderes ist als sein Verstand; dessen Unterbewusstsein und Ego häufig ihm einen Strich durch die Rechnung machen können und der sich interessiert und neugierig auf das „Abenteuer ich“ ebenso einlässt wie auf das „Abenteuer ich + Du“.

Abenteuer ich + Du
Abenteuer ich + Du

Von derlei Intentionen getragenes „Durchhalten“ ist immer wieder geprägt von Innenschau und Inne-halten. Von den Bestrebungen, zu verstehen was gerade vor sich geht und warum wir selbst so oder so reagiert/empfunden haben.
Auf diese Weise wird eine Basis für konstruktive, lösungsorientierte Gespräche und Miteinander geschaffen, mit dem Bewusstsein, dass beide ihren (gehörigen) Teil dazu beizutragen haben, damit die Liebe weiter lebendig bleibt – oder überhaupt erst einmal WIRD.

5. Phase 5: Authentische Liebe

Auch diese Phase findet sich in erster Linie bei der unreifen Liebe, die sich die Mühe macht zu wachsen. Sofern die Partner sich selbst mit ihrer Authentizität auseinander gesetzt haben und diese bereits leben, sind sie deutlich näher an der reifen Liebe als andere.
Denn in dieser Phase können wir uns gegenseitig ohne Masken zeigen – was authentische Menschen eh schon tun.
Wir können das Anders-Sein und -Denken eines Zweiten problemlos akzeptieren – Menschen, die in unreifer Liebe verhaftet sind und sich mit sich selbst noch nie großartig beschäftigt haben, werden immer eher die Unterschiede (und vor allem vermeintlichen Negativitäten) im Blick haben.
Der Ego-Mind, wie ich ihn gerne nenne, ist bei vielen Menschen, die sich nicht großartig mit sich selbst und ihrem Innersten auseinander gesetzt haben, sehr mächtig – inkl. dem getriggert-werden.

Je empathischer dann wiederum der Partner ist, umso mehr geht das häufig auf dessen Kosten.

Schlichtweg weil die meisten Empathen sich wesentlich früher mit dem „warum bin ich so anders und was macht mich aus“ auseinander gesetzt haben, aber eben auch unglaublich viel davon spüren, (sich hinein versetzen können), warum es dem Gegenüber so geht.

Viele Angriffe aus dem Ego heraus sind oftmals überspielte Hilflosigkeiten. Der andere hat nie gelernt, konstruktiv mit Kritik umzugehen, egal wie nett sie formuliert ist. Da ist der #HSP direkt versucht zu helfen bzw. auszugleichen. Schließlich besteht auch bei unreifer Liebe die Chance, den großen Schritt in die echte, tiefe authentische Liebe zu schaffen.

Welche Fragen dabei helfen können, einzuschätzen, wo Du Dich bewegst – aber auch zum Weiterreichen an den Partner, wenn Du das Gefühl hast, er hat den Blick auf Euch und eure Liebe verloren, wirst Du in Kürze hier erfahren können, also stay tuned!

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