Pflicht und Freiheit – wie passt das zusammen?

Neulich hatte ich ein interessantes Gespräch mit einem meiner Lieblingsmenschen.

Unter anderem ging es um das Thema Freiheit leben und inwiefern Pflichten damit zu vereinbaren sind.

Fakt ist: Ich bin hier nach Andalusien gekommen, um mich jenseits irgendwelcher Ansprüche anderer an mich, sowohl was mein Verhalten als auch Denken oder Handeln betrifft, wieder zu entdecken.
Doch mittlerweile lebe ich größtenteils auf einer Finca, die ja schon für sich einen Haufen Arbeit mit sich bringt – doch mit 2 Hunden wird das Ganze nochmals getoppt.

Und natürlich entsteht daraus eine tägliche To-Do-Liste, wie: Hunde-Runden, Nudeln für’s Futter kochen, spülen, fegen/staubsaugen, Leos Schnauzenabdrücke von den Türen wischen und so weiter.

Kennt jeder, der ebenfalls einen oder mehrere Haustiere hat.

Doch lebe ich durch diese To-Do-Liste, diese Pflichten, weniger frei?

Der Gedanke hat mich nicht mehr los gelassen und kreist seitdem in meinem Kopf, Magen, Herzen.

Und ich denke, ich habe darauf auch eine Antwort – auf jeden einzelnen Punkt der To-Do-Liste.

Ja, ich BIN so frei, wie es möglich ist, ohne auf Kosten unserer Tiere zu gehen!

Wer Haustiere, vor allem Hunde hat, hat eben auch die Verantwortung. Die Fellnasen können nunmal nicht auf’s Klo gehen, sondern brauchen ihre Runden nicht nur zum Scheißen, sondern auch wegen der Bewegung, des Schnüffelns, auch „Schnauzenbook“ genannt. Ich bedaure zutiefst die armen Finca-Hunde, die es hier so oft gibt. Tage- und Wochenlang auf dem Grundstück eingesperrt kommen sie überhaupt nicht mit anderen Artgenossen in Berührung, müssen in ihrem Terrain ihre Geschäfte verrichten (was Hunde normalerweise niemals tun würden!) und ihnen fehlt jegliche Ablenkung, Ansprache; einfach alles, was ein Rudeltier benötigt.

Freiheit entsteht im Denken

Ich bin so frei, aufstehen zu können, wann ich will. Ausgeschlafen, ohne Wecker. Oder eben weil einer der Hunde dringend raus muss. Das kann natürlich passieren, doch sowas kann ich ja nicht der Fellnase ankreiden.

Und auch wenn ich in meinem Polo unterwegs wäre, wären diese Umstände ebenso da. Nur dass ich nicht so viele Schnauzenabdrücke von den Fenstern säubern müsste. Auch die Größe der Flächen, die von Sand gereinigt werden müssten, wären deutlich kleiner. Je größer die Räumlichkeiten, umso mehr Arbeit gibt es natürlich auch beim Sauber machen und Aufräumen.

Meine Freiheit besteht darin, meine Einstellung zu all dem zu betrachten: Ich habe mich selbst dazu entschieden. Darin lag meine Freiheit – und liegt sie jeden Tag auf’s Neue!

Ich habe mich dazu entschieden, den Bedürfnissen unserer Hunde gerecht zu werden – ganz davon abgesehen, dass die Hunderunden, die Knuddelzeiten usw. mich mindestens ebenso entspannen und bereichern wie die beiden Schnäuzelchen.

Das Haus sauber machen – muss ich ja nicht täglich komplett. Doch auf Sand barfuß laufen mach ich lieber am Strand als im Wohnzimmer, also gehe ich da auch entsprechend häufig durch.

Der Küchenfußboden sieht allerdings nach 3 Hundemahlzeiten und tausend Mal durchlaufen täglich schlimm aus – den mache ich schon allein für mein eigenes Wohlbefinden.

Meine Fliesen in Deutschland waren da pflegeleichter, darauf sah man nicht sofort alles. Da habe ich häufiger mal fünfe gerade sein lassen können.

Hier fühle ich mich damit einfach nicht wohl.

Für Wohlfühlen entscheiden

Mir ist es wichtig, dass ich mich entspannt hinsetzen und mich wohl fühlen kann – zumal auch jedes Aufräumen im Außen, jede Reinigungsaktion auch einen gleichen Vorgang innerlich freisetzt.

Dessen bin ich mir bewusst und spüre das auch – und tu mir so auf doppelte Weise gut! 🙂

Freiheit definiert sich für jeden anders

Nochmal zurück zur Freiheit: Ich habe den Luxus, besser gesagt die Freiheit, von überall aus arbeiten zu können.

Ich habe die Freiheit, Hunde halten zu können, womit 9-17-Arbeitnehmer ein Problem haben.

Ich habe die Freiheit, das Land, in dem ich (gerade) leben will, frei auswählen zu können.

Ich habe die Freiheit, mich ganz nach meinem Belieben entfalten zu können – und mir des Rückhalts meines Schatzes sicher sein zu können.

Ich habe die Freiheit, zu lieben, zu singen, zu lachen, zu reden, zu schweigen, zu fühlen, zu genießen, zu tanzen – wann immer ich will.

Schranken bzw. Beschränkungen hast Du nur in Deinem Kopf. Denn die Wahl, was Du tust und welche Einstellung Du dazu haben willst, triffst ausschließlich DU!

Und darum kann ich aus tiefster Überzeugung sagen: Ja, ich liebe mein Leben. Sicher gibt es immer noch ein paar Bereiche, die sich bessern und verändern können. Und doch bin ich mir auch dieser Freiheit bewusst: Ich kann diese Bereiche an packen, wann immer und wie immer ich will.

Eines jedoch solltest Du dabei nicht vergessen: Freiheit ist keine Momentaufnahme! Wenn Du Dich dazu entschlossen hast, ein Haustier haben zu wollen, dann kannst Du schon erahnen, für wie viele Jahre Du Dich dieser Entscheidung verpflichtest. Mit allem, was dazu gehört!!!

Ebenso sieht es mit der Wahl des Partners, der Arbeitsstelle, der Wohnung usw. aus.
Manches lässt sich leichter verändern oder verbessern, anderes weniger leicht – bzw. es gibt schlichtweg Bereiche, in denen etwas „Arbeit“ an der Sache benötigt. Beziehungen sind nicht nur bequem bzw. dafür da, Dich glücklich zu machen und Dein Leben zu bereichern – erst in der Wechselwirkung wird ein Schuh daraus! Einfach gesagt: Was Du hinein steckst, bekommst Du auch wieder, meist sogar mehr!

Wer A wählt, muss auch B sagen

Ich kenne jedoch Leute, die lieben z.B. die gute Bezahlung ihres Schichtarbeiter-Jobs, beklagen sich aber über jede einzelne Schicht. Sie genießen die freien Nachmittagsstunden der Früh- und Nachtschicht, aber die Arbeitsstunden hassen sie. What the fuck??? Sorry, aber keiner kann sich wirklich nur die Rosinen heraus picken und den Rest anderen überlassen. Erstmal ist das eine wahnsinnige Missachtung anderer und zeichnet ein deutliches Bild, wie respektvoll wir von Kollegen/Partnern denken, und zum Anderen sind sowohl diese Mehrbezahlung und frei Stunden, in denen andere noch arbeiten ebenso Teil des Konzepts wie nun einmal die Arbeitsstunden, in denen andere frei haben.

Ich kann auch nicht mit meinem Hund nur knuddeln wollen, aber wenn es regnet oder mir zu kalt für eine Gassirunde ist, lasse ich ihn hängen und ignoriere seine Bedürfnisse.

Ein Gleiches ist es in der Partnerschaft, wenn ich meinem Partner im gemeinsamen Leben all die Erledigungen überlasse, die mir selbst zu unbequem oder unangenehm sind. Das lässt wirklich tief blicken, was mein Denken und Fühlen meinem Partner gegenüber betrifft! Hat das irgend jemand verdient??? Ich denke, die Antwort kannst Du Dir selbst geben! Wenn schon, dann doch gemeinsam, denn geteilter Mist ist eben halber Mist. Mist, der eben auch zu jeder Freiheit dazu gehört.

Welchen Preis zahlst Du?

Ich wollte von früh an gern im Ausland arbeiten, und doch war mir klar, dass mein Wunsch nach Familie sich auf diese Weise wohl weniger realisieren lässt. Vor allem, wenn es alle paar Jahre in ein komplett anderes Land geht. Mein Preis dafür, Familie leben zu können, war es also für lange Zeit meinen Wunsch nach Ausland auf Eis zu legen.

Jetzt bin ich im Ausland und zahle eben den Preis, 2.300 km weit von meiner Familie entfernt zu sein. Jede Ent-scheidung ist freie Wahl. Und mit jeder Ent-scheidung entscheidest Du Dich auch GEGEN andere Optionen. Das will gut überlegt sein, bzw. Du solltest Dir immer des Preises bewusst sein, den Du dafür zahlen wirst. Das lässt sich meist unschwer erkennen – und doch ist es Deine freie Wahl! Einzig: Beklag Dich dann anschließend nicht über die jetzt fehlenden Optionen! Das ist ein großer Teil des Erwachsen-werdens: Deine freien Entscheidungen zu treffen und die Verantwortung dafür selbständig zu tragen.

In diesem Sinne: Genieße Dein Leben, genieße alles, was Du tust, fühlst, siehst. Du hast die Freiheit!

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4 Gedanken zu “Pflicht und Freiheit – wie passt das zusammen?

  1. Frei heißt für mich – politisch frei – wenn man sein Leben frei wählen kann. Alles andere sind dann freie Entscheidungen des Lebens und man ist damit für sich selbst verantwortlich. Grüße aus dem Gebirge.

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    • Hi flowerywallpaper, meinst Du nicht, dass es deutlich mehr Freiheiten bzw. Unfreiheiten gibt? Viele oft sogar nur eingebildete, selbstgewählte oder auch sogar nur selbst-erdachte?
      Freiheit nur auf den Bereich Politik zu betrachten erscheint mir doch arg eingeschränkt…

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      • Vielleicht verstehst du mich da nicht so wie ich meine. Wenn man sich mit der Kulturgeschichte der Menschheit beschäftigt gibt es da fast bis zur Neuzeit nur Unfreiheit. Ausgehend von Staat (Regent) oder Kirchen, die auch wieder vom Staat (Regent) gebilligt wurden. Dieses Gegenteil der Unfreiheit habe ich mit Freiheit gemeint. Ich werde weder vom Staat, noch von einer Kirche gezwungen so, oder so zu leben. Nicht einmal von meiner Familie. Das nenne ich Freiheit. Alles andere ist mehr oder weniger meinem Willen zuzuschreiben. Die einzige Pflicht die ein Mensch haben kann, ist der Respekt zu seinen Mitmenschen. Das hat dann mit Freiheit nichts mehr zu tun.

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  2. Pingback: „Einen Scheiß muss ich“ – über Lebensqualität und Mindset – flowngrow

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