Vordrängeln gilt nicht – von Unterbrechern, Zeitdieben und Co.

Kennt Ihr die auch, diesen besonderen Schlag Mensch, der immer alles sofort gemacht oder beantwortet haben will?
Der in den Raum hinein kommt, und den es überhaupt nicht interessiert, ob seine Zielperson gerade etwas ganz anderes macht?
Der sofort die Aufmerksamkeit einfordert und auch ERWARTET, dass der andere sich unverzüglich um sein Anliegen kümmert?

Und kennt Ihr andererseits diese Leute, die erst ganz entspannt das, woran sie sitzen, beenden, bevor sie sich Dir zuwenden?

Ja, auch das kann ganz schön nerven, wenn man unter Zeitdruck oder auch Handlungsdruck steht – und doch leben diejenigen deutlich stressfreier, gesünder und sich-selbst-wertschätzender!

    1. Reinplatzen, loslassen – pure Unachtsamkeit oder respektlos?

Früher in meiner Festanstellung habe ich das so sehr gehasst! Ob es mein Chef war, für den man die komplizierteste Übersetzung wegen Peanuts unterbrechen musste, die locker auch eine Stunde später hätten erledigt werden können; der Klient, der am Telefon „so lange auf die Info wartet“, obwohl er Dich gerade aus einer komplizierten Excel-Liste heraus gerissen hat, in der Du schon seit Stunden zugange bist – oder aber auch Freunde, die schlichtweg gerade nur ihr eigenes Problem oder Anliegen im Sinn haben, statt darüber hinaus darauf zu achten, ob es gerade passt, Dich aus dem heraus zu reißen, was Du gerade machst…

Wir kennen es von Kindern, die jedes Gespräch unterbrechen und sich keine Gedanken darum machen, ob es gerade passt oder nicht. Häufiges Ergebnis: Sie werden überhört, ignoriert – oder es wird ihnen (hoffentlich) gesagt, dass sie bitte noch einen Moment warten sollen.

Kinder können diese Form des Respekts lernen – bei vielen Erwachsenen ist es leider zu spät.

Doch wo kommt das her, dieses „Ich bin jetzt sofort dran, egal was der andere gerade tut“-Erwarten?

    1. Warten tut keiner gern

Klar warten wir alle nicht gern, doch was bei Kindern noch aus einem halbwegs natürlichen Drang heraus geschieht, akzeptiere ich bei Erwachsenen gar nicht gern! Im Gegenteil: Entweder mache ich tatsächlich erst das fertig, wo ich gerade dran bin, oder ich ärgere mich (über mich selbst), dass ich etwas für jemanden unterbrochen habe – nur um heraus zu finden, dass dessen suuuuperwichtige Frage/Aufforderung auch locker noch eine Stunde später gereicht hätte.

Klar wartet niemand gern, doch im respektvollen Miteinander sollte es für jeden von uns heute mehr als wünschenswert, wenn nicht sogar selbstverständlich sein, erst einmal die Situation abzuchecken, zu die man gerade hinzu kommt.
Was macht der andere, wie geht es ihm dabei, ist er dabei sehr konzentriert, sieht es so aus, als könnte mein Anliegen gerade passen oder wäre etwas später sinnvoller? Auch die Frage, ob derjenige gerade zuhören kann, finde ich heutzutage wirklich wichtig.
Niemand, und das meine ich genau SO

NIEMAND hat das Recht, in Deinen Dunst- oder Tätigkeitskreis so einzubrechen, dass Du von jetzt auf hopp alles stehen und liegen zu lassen hast!!!

Woher nimmt sich jemand das Recht, dass sein Anliegen wichtiger ist als das was Du gerade tust???

    1. Es liegt an Dir

Wie Du damit umgehst und wie Du es betrachtest, liegt natürlich voll und ganz an Dir.
Klar renne ich los und lasse alles stehen und liegen, wenn ein Kind in den Pool fällt, mein Hund angegriffen wird oder mein Schatz von der Leiter fällt.
Doch abgesehen von diesen und ähnlichen Notfällen erwarte ich schon soviel Empathie und Respekt, dass wenigstens hingeguckt wird und nicht automatisch das Anliegen des anderen den Vorrang vor meiner aktuellen Tätigkeit hat – und wenn es Meditieren ist und für jemand anderen so aussieht, als täte ich nichts. 🙂

Einfordern ist allerdings unsere eigene Sache, denn solange so etwas demjenigen nicht „gesteckt“ wird, wird er so weiter machen – und da stellt sich dann die Frage, inwiefern wir selbst unsere eigene Zeit bzw. deren Nutzung/Ausfüllen selbst (wert-)schätzen.
Wenn wir es nicht tun, warum sollte es ein anderer???

Also tust Du Dir gut, wenn Du zu demjenigen „mutierst“, der uns so fürchterlich auf den Nerv geht, wenn wir in Zeitnot sind: Mach Dein Zeugs erst zu Ende, denn auch die Aufmerksamkeit, mit der Du Dich dann demjenigen zuwenden kannst, ist eine ganze andere! Du bist nicht mehr mit halbem oder dreiviertel Kopf in der Angelegenheit, die Du bisher gemacht hast, sondern kannst Dich voll und ganz auf das Anliegen Deines Gegenübers konzentrieren.

Doch es kommt auch noch die Frage der Sichtweise hinzu, wenn wir bei dem unterbrochen werden, was wir tun:

Auch der Grund, warum wir uns dann ärgern, kann anders betrachtet werden: Für den einen (mich) ist es eine enorme Achtlosig- und Respektlosigkeit, der nächste sieht es nur als etwas Gedankenloses, Unachtsames an.

Sicher macht es letztere Sichtweise leichter und erzeugt weniger Ärger, doch je näher man sich steht, umso verletzender kann auch dieses sein.

Also bin ich mal wieder der Erklärbär – und hoffe, Euch mit diesem Luft-machen auch ein wenig auf den Weg mitgegeben zu haben. 🙂

Herbstblues Andaluz

Diesen Artikel habe ich eigentlich schon im Oktober geschrieben, doch jetzt ist er gerade richtig aktuell: Wir haben es gerade mal 17 Grad „warm“ und gerade ein paar Regentage hinter uns…

Gehört dieser Post zu Geh Deinen Weg? Wäre dann ja Teil 14 – aber eigentlich/uneigentlich passt es sowohl nach Deutschland ebenso wie hier hin. Nur die Zeichen sind eben etwas anders… Weiterlesen