Geh Deinen Weg (Teil 8) – Ausbau, Abfahrt und Software as a bitch

Der Eine oder Andere mag dem Ausbau meines Polos jetzt in „Geh Deinen Weg (Teil 8)“ ungeduldig erwartet haben, andere wiederum interessiert der Punkt „Software as a bitch“ mehr.
Wie das alles zusammen hängt, was die Midi-Pyrenées damit zu tun haben und inwiefern wieder mal Planung für die Tonne war, lest Ihr hier.

Planung, Umplanung Marco Polo Ausbau

Im letzten Teil konntet Ihr ja schon von der phantastischen Hilfe lesen, die ich durch Mario St. erfahren durfte. Ehrlich, ohne sein ganzes Equipment und seine Kenntnisse hätte ich auf Anhieb nicht gewusst, wie ich diesen Ausbau selbst angegangen wäre. Wer weiss, was dabei heraus gekommen wär? 😉

So aber begannen wir, einen ersten Plan zu erstellen:
Ersatzrad musste zugänglich bleiben, also wollte ich die Plattform dritteln und das hinterste Drittel in der Mitte halbieren, um es zu den Seiten hin aufzuklappen.

Aubau Polo
Aubau Polo

So war gewährleistet, dass ich auch das Reserverad im Notfall noch herausholen konnte – auch wenn der Stauraum unter der Plattform im Endeffekt voll mit meinen Sachen ist (aber im E-Fall wäre das das kleinste Übel).

Doch was machen wir mit den vorderen zwei Dritteln?

Gehirnkrämpfe und Fehleinschätzungen

Was den vorderen Bereich betraf, wurde es dann doch noch etwas mehr tricky, denn durch die sich nach oben hin verjüngenden Holme Richtung Dach konnten wir die gesamte Breite, die ich ursprünglich bis in die Ritzen ausfüllen wollte, gar nicht nutzen.

Wie sinnvoll diese Aussparungen sich jetzt erweisen, war damals noch gar nicht zu erahnen! 🙂

So mussten wir von den ursprünglichen 1,20m auf 1,00 m die Gesamtbreite verkürzen.

ursprüngliche Breite Poloausbau
ursprüngliche Breite Poloausbau

Mittlerweile hat sich in der Praxis genau diese Maßnahme als perfekt erwiesen, weil ich dadurch die Möglichkeit habe, seitlich an meine Sachen heran zu kommen, ohne jedes Mal meine komplette Schlafstätte zu demontieren…

Kram über Kram…

Und dann kam der Tag X, an dem ich in meinem ehemaligen Keller stand.

Vor mir ein Turm aus Taschen, Boxen und Kisten, die alle darum bettelten, Teil meines neuen Lebens zu sein. Und dennoch: Ich konnte aus einem Polo nun mal keinen Kombi machen, so dass selbst von diesen schon sorgfältig aussortierten Sachen eine ganze Menge hier bleiben mussten.

Downsizing extrem – eine besondere Wertschätzungs-Übung

Eines kann ich Euch verraten: Jedes einzelne Teil wurde angesehen und eine Entscheidung darüber getroffen, ob es  mitgenommen wird oder nicht.
Erst nachher ist mir dazu aufgefallen, wie viel ich hierbei über die Wertschätzung der einzelnen Sachen und Gegenstände gelernt habe. Auch das ist eine Frage des #Konsums: Schätzt Du heute eigentlich wirklich jeden einzelnen Aspekt? Ein Gerät, dass Dir das Kochen erleichtert, ein besonders kuscheliges Duschhandtuch?

Ich kann Dir nun auf jeden Fall sagen, dass bis auf wenige Ausnahmen mein Wagen vollgepackt voller wertgeschätzter Sachen ist! 🙂

Mein Schlaflager: Prinzessin auf der Erbse

Meine Schlafstätte ist bei dieser Art von Ausbau natürlich auch so eine Sache für sich, sollten die verwendeten Materialien/ Unterlagen doch multifunktional sein.

Ursprünglich wollte ich gern eine Gästebett-Matratze verwenden, doch die sind erstens zu lang für diesen Ausbau und auch wegen Nässe, Schmutz, Gerüche recht empfindlich. Dazu scheinen die meisten dieser Schaumstoff-Matratzen auch nicht sehr langlebig zu sein – und eigentlich hatte ich ja auch gar nicht geplant, die Schlafstätte dauerhaft aufgebaut zu lassen.

So setzt sich mein Nachtlager folgendermaßen zusammen:

  • selfinflating Iso-Mat
  • Schmusekuschel-Fleecedecke meines Bffs Jürgen aus Schwerte
  • Eine Strand-Rollmatte mit ganz vielen integrierten Schaumstoff-Rollen (so wie diese: 
  • meine Yoga-Matte
  • meine übergroße Tagesdecke (vierfach genommen, aber einfach zu schade zum Entsorgen und perfekt, um alles abzudecken)

Und natürlich mit an Bord mein superwarmer BW-Schlafsack, mein weniger warmer Schlafsack für mittlere Temperaturen und eine Sommerdecke samt Bettbezug für warme Temperaturen.

Je nachdem, welches davon gerade zum Einsatz kommt, ist der Rest ebenfalls Teil meiner Unterlage, und so fühle ich mich wie die Prinzessin auf der Erbse auf all diesem Geraffel… 🙂

Jede Ecke hat ihr Thema

Eine eigene Challenge für sich war die Verteilung meiner Sachen unter der Plattform selbst. Dazu musste ich zumindest erahnen können, was ich dringender als anderes brauche, damit das dann in leichter greifbarer Nähe seinen Platz findet.

Long story short: In Salobrena angekommen musste ich  mir eingestehen, dass die unsinnigsten und bis dahin am Unnötigsten Dinge im bester Griffnähe lagen, während ich andererseits mir mein Hirn zermarterte, wo denn nun die Dinge hin gekommen waren, die ich wirklich dringend benötigt hätte… 😛

Doch unabhängig davon hatte der Großteil dessen, was ich an Hab und Gut behalten wollte, endlich seinen Platz im Flowmobil gefunden und ich war bereit, Deutschland hinter mir zu lassen.

Vertrauen und Zuversicht

Natürlich waren meine letzten Tage in Deutschland begleitet von großem Bedauern, meine Freunde für lange Zeit nicht mehr sehen oder in den Arm nehmen zu können!

Doch andererseits machte mir das grau-kalte Sauerlandwetter meinen Absprung wirklich leicht, Andalusien rief mit mindestens 10-15 Grad höheren Temperaturen und blauem Himmel.

Je länger ich im Sauerland war, umso lethargischer machte mich das Wetter. Ich hatte den Eindruck, auch in alte Verhaltensweisen, die ich in Andalusien reduziert oder abgelegt hatte, zurück zu fallen.

Außerdem gab es dort ein paar zukünftige Klienten, die darauf warteten, dass ich vor Ort auftauchte.

Andalusien ruft – doch mein Tomtom hört nicht zu

Auf einmal ging alles so schnell – ich musste gerade echt noch Mal recherchieren, wann genau ich gestartet bin. Doch ich habe es herausgefunden:

Am Montag den 08.02.2016 habe ich Spirit gesattelt und bewappnet mit einem TomTom Navi haben wir uns bei Sturm- und Starkregen-Warnungen Richtung Spanien auf den Weg gemacht…

Also, unter uns Pastorentöchtern: Starkregen und Sturm auf der Autobahn, dazu gerade mal 6-8 Grad, das ist wirklich kein Vergnügen! Sogar LKWs hat’s von den Brücken gefegt, und Spirit war ja nunmal auch ganz schön vollgepackt.
Da hatten die 45 Eselchen bzw. Pferdestärken echt schwer zu schaffen – was sich auch am Spritverbrauch zeigte, sobald ich über 3.000 Touren fuhr. Doch: Die waren schon bei ca. Tempo 90/100 erreicht, und so zuckelten wir denn durch ziemlich ungemütliches Wetter gen Süden.

Couchsurfer Lyon

Erster Stopp-over sollte in Lyon sein; dort hatte ich seit Anfang Januar regen Kontakt zu jemandem, bei dem ich zumindest meine erste Übernachtung geplant hatte.

Und Lyon war auch exakt einer der Gründe, warum ich ein Navi haben wollte – ich kannte die Stadt schon von etlichem Verfahren auf einer unserer Ardeche-Touren. Nee, das musste wirklich nicht sein!

Vorgenommen hatte ich mir, so gegen 20 Uhr in Lyon anzukommen, was ich auch geschafft habe (WoW, echte Punktlandung, und das bei dem Wetter und den damit nicht einsehbaren Straßenverhältnissen!)

Doch die Telefonnummer, die André mir gegeben hatte, war nicht richtig. So stand ich dann in Lyon, ohne Internet-Zugang und suchte mir erst Mail einen Platz, wo ich WiFi nutzen konnte.
Ein McDonalds war schnell gefunden, doch nach einem Check der Couchsurfing-Nachrichten war klar: Ich hatte die Nummer genau so in mein Handy eingegeben, wie er sie geschickt hatte.

Doch ich bekam immer nur die Ansage, die Nummer wäre falsch, also schrieb ich ihn an. Mittlerweile waren mit WiFi-Suche und Einloggen eine weitere Stunde vergangen, nach ca. 2 h habe ich die Nummer dann ein paar Passanten gezeigt, in der Hoffnung, sie könnten mir helfen, was daran falsch sein könnte.

Und voilà, es stellte sich heraus, dass der Gute mir eine Null zuviel übermittelt hatte.
So, wie bei unseren Vorwahlen die erste Null bei einer Ländervorwahl entfällt, ist es auch in Frankreich. Naja, darauf hätte ich fast selbst kommen können…*headshake*

Zu spät für Bäcker

Nach langem Hin und Her hatte ich nun also eine stimmige Telefonnummer, und doch war es schon 22.30 h – ich erreichte nur noch seine Mobilbox…

Ganz ehrlich; das wunderte mich insofern nicht weiter, da er Bäcker und Konditor war. Ich schätze, deren Aufsteh-Zeiten sind nicht großartig anders als von deutschen Bäckern, da wäre ich um halb elf nachts auch schon längst im Matratzenhorchdienst…

Und so ergab es sich, dass mein Poloausbau schneller zum Einsatz kam, als ursprünglich geplant war…

Ich fand einen schönen Platz abseits der Autobahnen und anderen Straßen; allerdings alles matschig und der Sturm blies in den Bäumen. Da half nur noch Vertrauen, dass von den Baumriesen nicht ausgerechnet diese Nacht einer auf mein Dach krachen würde…

So fand meine erste Teiletappe ca. 100 km süd-westlich von Lyon ihr glückliches Ende – und mein malträtierter Popo konnte sich im kuscheligen Schlafsack ausruhen.

Neues Spiel, neues Glück, dachte ich noch und dankte insgeheim Mario noch einmal mehr für den wundervollen Ausbau – und mir selbst für diese Idee, bevor ich den Schlaf des(r) Gerechten schlief…

 

Weiter geht’s mit Software as a bitch, französischen Polizisten, Carcassone und Midi-Pyrenées… 🙂

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