Geh Deinen Weg (Teil 5) – Hexenschuss und Flughunde

Da sitz ich hier vor „Geh Deinen Weg (Teil 5)“ und mir geht der letzte Teil nicht nur durch den Kopf – ich bin quasi wieder dort! Alles ist so präsent! Hunderangeleien, Lyrik im Berg und irgendwann hieß es, wieder Abschied zu nehmen…

Etwa 10 Tage waren es noch, bis ich meinen Heimflug über die Feiertage geplant hatte.

Naja, das war so ziemlich die einzige Planung neben dem Hinflug, die zumindest ansatzweise so statt fand… 🙂

Und je näher Deutschland kam, umso mehr musste ich an all das denken, was da so auf mich wartete: Es war ja nicht nur Weihnachten, auch mein Keller war noch halbvoll, es musste noch geklärt werden, ob mein Sohn in meiner Wohnung bleiben kann, das Finanzamt wollte mit mir über meine „Rolle“ sprechen (Nein, sie kennen keine digitalen Nomaden…) usw. Hört sich auf Anhieb erstmal nicht nach viel an – aber Leute….. ich glaub nicht, dass ich darüber ausgiebig schreiben werde, denn so spannend ist deutsche Bürokratie nicht. Nur eines sei gesagt: Selbst die Frau vom Finanzamt hatte keine Idee, wie man mich denn nun einordnen sollte 😉 😛

Doch zurück im Berg habe ich nur diese ganzen To-do’s gesehen und ZACK! Ich kam nicht mehr hoch, als ich mich nach etwas bücken wollte, um es Shanti zu zu werfen! Rücken lässt grüßen… Da hing ich nun im Berg, wusste kaum, Luft zu holen und dachte nur: Kein Wunder! Ich fühlte schließlich den Druck dessen, was da auf mich zu kam – inkl. der Vorbereitung meines Rückwegs nach Tarifa – also wunderte ich mich nicht wirklich, dass mein Rücken mir das unverzüglich ebenfalls zu verstehen gab.

So blieben einige meiner Sachen bei Karin und Andreas in Rio de la Miel, denn ich wollte zusehen, dass mein Rucksack so leicht wie nur eben möglich wurde. Dazu Tipps eines befreundeten Homöopathen; alles half nur ein wenig, denn auf meiner Seele lastete der Druck ganz schön…

So waren die letzten Tage davon geprägt, dass ich kein Yoga mehr mitmachen konnte und an Bücken auch nicht mehr zu denken war. Wie sollte bloß mein Heimflug werden?

Aussteiger und Mietwagen

Eigentlich hatte ich geplant, mit jemandem mit zu fahren, der sowieso über Tarifa in Richtung Jerez de la Frontera unterwegs war (Facebook sei dank!). So konnte ich meine Flüge von Malaga Airport zu Jerez ändern, was etliche Euros günstiger war.

Und denkt Euch, vom Gefühl her, den Gesprächen und der dabei vorherrschenden Energie hatte ich auch direkt den Eindruck, dass da gerade etwas Wichtiges, Enges entsteht. Vielleicht sogar das Potential für Liebe hat?

Nun denn, es sollte dann wohl doch nicht so sein. Wir trafen uns auf Rio de la Miel, schon alleine, weil er mich gern kennen lernen wollte. Doch die Vorgaben (kein Alkohol, kein Rauchwerk) waren nicht sein Ding und irgendwie war das, was zwischen uns war, dann doch anders, als wir es uns vorgestellt hatten (beide, schätze ich). So eröffnete er mir noch am nächsten Abend, dass er direkt weiter ziehen würde.

Planung adé oder: Schöne Scheiße, wie komm ich jetzt nach Jerez???

Ja, einige mögen es blauäugig nennen, einen Flughafen, der quasi um die Ecke ist mit einem zu tauschen, der rd. 250-300 km weiter weg ist. Doch ich wollte zu gern noch ein paar schöne Tage direkt am Meer bei und mit Herbie und den anderen, die ich dort lieb gewonnen hatte, verbringen!

Wie war das nochmal mit meinen Planungen, die alle irgendwie total in die Hose gehen??? 😉

Also hab ich dann mal die Mietwagen-Firmen gecheckt: Es gab ein paar Günstige in Nerja, doch one-way nach Jerez kostete ebenso viel wie 3 Tage Mieten vor Ort!

Leute, ich kann Euch nur raten: Wenn Ihr ein Problem habt und in einer Gruppe seid, redet drüber! Versucht nicht, alles mit Euch alleine auszumachen. So habe ich denn das Thema des Abends angesprochen und zwei weitere Gäste des Hauses sagten sofort, sie könnten doch mich runter begleiten und den Wagen dann wieder hoch fahren. Auf diese Weise würden sie mehr von der Gegend sehen, als in den Bussen, mit denen sie her gekommen sind.

Na also, wer sagt’s denn? 🙂 So hab ich den Mietwagen direkt für 3 Tage gebucht – kostete nichtmal so viel wie eine one-way-tour nach Jerez…

On the road Andalusien
On the road Andalusien

Doch es blieb spannend: Sandra, die mit mir fahren wollte, wurde von jetzt auf gleich heftig krank und fiel als Mitfahrer aus. Doch zum Glück war Susan mit ihrem Sohn bereit, mich zu begleiten und etwas Strand zu genießen.

Doch dann nahte schon der nächste Punkt bei der Mietwagenfirma:“Wir behalten eine Kaution ein“ hieß es auf der Website – nur in welcher Höhe war nirgends zu erfahren, und die Summe auf meiner Kreditkarte schon böse eingeschmolzen. Und dann wollte sie auch noch meine Heimatadresse haben. Ähem, bitte was?

Ich hab ihr meine frühere Adresse angegeben – und Rotz und Wasser geschwitzt, ob ihr Buchungssystem die akzeptiert.
Beides funktionierte, ich hatte den Schlüssel zu einem recht neuen Seat in der Hand und endlich konnte etwas von meiner inneren Anspannung abfallen! Jepp, die war echt da – es hätte ja jetzt auf den letzten Drücker noch sooo viel anders laufen können!!!

So fuhren wir drei, nachdem wir noch einer befreundeten Freilerner-Familie geholfen haben, ihr Wohnwagen-Fenster einigermaßen dicht zu kriegen, weiter Richtung Tarifa.

Tarifa, wir kommen!

Susan, Tjore und ich waren also on the road – und wenn ich nicht schon mit Herbie hier hinauf gefahren wäre und er mir nicht schon alle möglichen spanischen Fallstricke auf den Straßen erklärt hätte, hätte ich mich nicht halb so sicher dabei gefühlt! (Schon wieder: Riiesen-Dankeschön an Dich, Herbie!)

So kamen wir am späten Nachmittag in Tarifa an, Tjore tobte sofort schon am Strand rum, und Shanti und ich begrüßten Herbie erstmal ausgiebig! Auch Susan verstand sich mit Herrbie direkt auf Anhieb, wir teilten alle ein kleines Mahl, das Herbert vorbereitet hatte und erzählten bis spät in den Abend bei einem oder mehreren Gläsern Rotwein.

Es war wirklich schön, wieder hier zu sein, Freunde um sich zu haben – sie hatten mir echt gefehlt! Ob es Marcel war, Herbert selbst, Klaus – die ganze Banda da unten eben!

Tarifa-Guide Herbert

Der nächste Tag begrüßte uns mit Sonnenschein und strahlend blauem Himmel, und Herbies Plan war, uns Tarifa von seinen schönsten Seiten zu zeigen.

So stand der Tag ganz im Zeichen des Sightseeings:

Tarifa-Guide Herbert
Tarifa-Guide Herbert
Sightseeing Tarifa
Sightseeing Tarifa

Und nachdem wir zurück in Playa de los Lances waren, ging der Lütte sogar noch ins Wasser! *brrr!* Also ich geb’s ja zu: Ich bin echt eine Frostbeule, da hätte mich bei vielleicht 15 Grad Wassertemperatur keiner mehr rein bekommen…

Susan und Tjore machten sich am nächsten Tag wieder auf den Heimweg nach Rio de la Miel und ich genoß noch einen Tag in Tarifa am Strand. Morgen sollte es auch für mich heim gehen.

Dazu hatte ich, inspiriert von Andreas, mich auf einer Seite eingetragen, auf der man Tierschutz-Hunde  mit nach Deutschland bringen konnte: Als Flugpate (www.flugpate.com)

So viele Pflegestellen warten darauf, dass ihre Lieblinge endlich zu ihnen kommen können – und für jeden Hund, der ein spanisches Tierheim verlassen kann, kann ein Hund aus einer Tötungsstation nachrücken. Auf diese Weise wird mit so einer Aktion gleich 4fach Freude geschenkt: Den wartenden Paten, dem fliegenden Hund, dem nachrückenden Hund und der Patenhundvermittlung auch noch!

Es kostet keinen Cent, das wird von den Tierschutz-Organisationen getragen. Die Tiere werden direkt zum Abflugschalter samt Papieren gebracht, Du bekommst die Papiere und nimmst die Tiere am Zielflughafen wieder in Empfang und händigst sie den wartenden Paten aus.

Ausser in Jerez de la Frontera

Ja, Du liest richtig. 🙂 Herbert und ich sind am nächsten Morgen ganz gemütlich nach Jerez gezockelt. Vorbei an riesigen Salzbergen, wunderschönen weißen andalusischen Dörfern – doch ich hatte keine Wehmut in mir, es war ja nur eine Pause meines Weges… 🙂

In Jerez am Flughafen waren wir recht früh, und doch war dann bald schon ein großer Van eines Tierschutz-Vereines dort.

Erstes Problem: Die Lady sprach weder deutsch noch englisch – doch der Fahrer tat es! Problem gelöst…

Er fluchte wie ein Rohrspatz, denn er kannte Jerez und erklärte mir, dass ich die Hunde „zu Fuß“ durch die Passkontrolle lotsen müsste, während die Container unbemannt auf’s Laufband gestellt wurden. Au weia! 4 Hunde plus mein eigener, das könnte witzig werden…

Wir versuchten also, die Zollbeamten dazu zu bringen, die beiden mit auf’s Gelände zu lassen. Nix zu machen. 😦 Und ich hatte doch noch gar nicht vor, so früh schon einzuchecken! Ich war doch bloß wegen der Flugpatenschaft schon 2 Stunden vor Abflug am Gelände. Einmal drinnen kam ich aber nicht mehr raus – und somit Shanti auch nicht…

So wurde es ziemlich wuselig in diesen letzten Minuten, so dass ich Herbie gar nicht so, wie ich es gewollt hätte, habe Tschüß sagen können – und vor allem für alles zu danken, doch dafür reichen Worte eh nicht aus! :*

Hasta luego, Andalusien!

Und so „eierte“ ich einigermaßen hilflos mit 5 unkontrolliert um meine Füße und mein Gepäck rumwuselnde Hunde durch die Paßkontrolle – bis mir eine liebe Frau von den Flugbegleiterinnen lächelnd 2 Hunde abnahm und wir mit vereinten Kräften die kleinen Fellpakete wieder in ihre Behältnisse beförderten.

Der nächste Akt, Shanti selbst in ihren Rucksack zu bekommen, lief zum Glück etwas lockerer als bei unserem Hinflug (könnt Ihr im ersten oder zweiten Teil nachlesen). So warteten wir also auf unseren Abflug Richtung good (?) old Germany…

5 Stunden Flug, mit Stop auf Mallorca. Blöd nur, dass wir den Sicherheitsbereich des Airports nicht verlassen durften. Es war schön bei ca. 24 Grad – und ich wußte, zuhause würden mich ca. 8-12 erwarten…

Düsseldorf Airport, Paten und Thomas

Also, eines  muss ich ja noch hinzu fügen: Ohne einige meiner Freunde wäre ich längst nicht da, wo ich bin; geschweige denn hätten sich so viele Dinge geklärt oder erledigt. (Dicken Bussi dafür!). Eine meiner größten Hilfen „in der Heimat“ war von Anfang an Thomas B. Ob es das Ausmisten meines Kellers betraf, der gegenseitige Austausch, die emotionale Unterstützung, während ich in Andalusien war – und nun war er derjenige, der mich am Flughafen abholte.

Keiner von uns hat geahnt, dass mit der Gepäckauslade-Verzögerung und der Verteilung der Hunde gut und gerne 1,5 Stunden gebraucht haben. War aber so – doch das interessierte niemanden, denn der Moment, in dem die Hunde ihre Pflegemenschen treffen, lässt Dir so sehr Dein Herz aufgehen, davon möchte ich nicht eine Sekunde missen! Und Thomas ging es genauso.

So fuhren wir recht spät Richtung „Zuhause“. Thomas‘ Zuhause, denn  mitten in der Nacht konnte ich im Sauerland sowieso  niemanden raus klingeln, auch wenn es Wochenende war…

Und natürlich gab es erst von beiden Seiten aus eine Menge zu erzählen! Ich glaube, es war so gegen Zwei Uhr, dass wir endlich ans Schlafen dachten.

Deutschland hatte mich wieder – aber nur geliehen, soviel war sicher!

Wie ich diese Serie jetzt den Deutschlandpart betreffend weiter führe, bin ich noch nicht ganz schlüssig. Ich denke, ich schreibe morgen einfach weiter.

Über wiehernde Amtsesel, gute Fügungen, interessante Prophezeihungen und Marco Polo…

 

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Ein Gedanke zu “Geh Deinen Weg (Teil 5) – Hexenschuss und Flughunde

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