Geh Deinen Weg (Teil 4)) Rio de la Miel

Wer meiner Serie „Geh Deinen Weg“ (Teil 4) bereits von Beginn an verfolgt, wird sich möglicherweise in einem Wechselbad der Gefühle befinden: So, wie die Feedbacks von „Du bist ja nicht ganz dicht!“ über „Wahnsinn, aber nix für mich“ hin zu „ich wünschte, ich könnte meinem Herzen auch mal so folgen“ schwanken, ist auch in meiner Geschichte alles mit enthalten:

 

  • wie wenig einfach es manchmal ist, seinen Kram los zu werden (Teil 1)
  • der Moment, einem vollkommen Fremden zu vertrauen (mehr als ein Mal!) (Teil 2)
  • die Chance, die im Zusammenbruch (von Absprachen) liegt (Teil 3)
  • die Möglichkeiten, die sich Dir eröffnen, solange Du offen bleibst und nicht direkt voller Angst vor der Situation wie das Kaninchen vor der Schlange sitzt

Und hey, wir haben März und mich gibt es noch! Also würde ich mal sagen, bis hier her war es für mich persönlich ein Erfolg. Mit allem, was in der Zeit geschehen ist.

Zurück nach Tarifa

Jetzt also zurück nach Tarifa, Herbie und meinen ersten Lektionen in Sachen „autark Leben“. Denn anders kann man es nicht bezeichnen: Herbie hat mir die Orte gezeigt, wo ich freies WiFi hatte; Marcel mir den benötigten Strom glücklicherweise abgegeben, so dass ich auch für meine Kunden in Europa weiter meine Arbeit machen konnte.
Was ich in der Zeit am Meisten vermisst habe, war mein Solarladegerät! Dafür hatte ich meinen überdimensionalen Laptopcooler inkl. Speaker von Logitech mit.
Ehrlich Leute, ich liebe dieses Teil, den Sound (und natürlich, dass es mein Laptop kühlt), aber es frisst Strom vom Lappie und bei den voluminösen Maßen hätte ich, wenn ich gewusst hätte, wie anders es hier unten läuft, nun wirklich eher mein Solarladegerät eingepackt.

Wie auch immer, es lief. Und doch wusste ich, ich hatte bisher hier in Südeuropa gerade noch 2 Anlaufstellen, die ich zuvor auch kontaktiert hatte: Eine im Norden Portugals, und eine in der Nähe von Malaga: Rio de la Miel, eine Yoga-Finca.

Der Ort in Portugal war mir a) zu weit nördlich (also auch zu dieser Jahreszeit schon zu kalt für das, was ich als Garderobe mit hatte); außerdem hatte ich b) keinen Schlafsack und c) war es insgesamt für mich mit Hund nahezu unerreichbar.

Also kontaktierte ich nach einigen Überlegungen Andreas von Rio de la Miel.

Yogafinca hörte sich ja gar nicht mal so schlecht an, und veganes Essen hatte ich bereits seit 2 Jahren gemacht – wenn ich in diesem Jahr auch wegen massivem Vitamin B-Mange wieder zum Flexitarier mutiert war. 😉

Über die Vorgaben, auf Zigaretten und Alkohol zu verzichten, war ich gespannt. Mein Rauchen reduzieren bzw. aufgeben wollte ich eh und über Alkohol machte ich mir soweit keine Gedanken. Für mich war es ein „Zeichen“, dass das alles gerade jetzt im November eben stimmig war, also so what?

Einzig die Anreise wollte noch geplant werden, also hab ich mich in die Gruppe „Mitfahrgelegenehiten Tarifa“ auf Facebook eingetragen. Gleich die Info vorweg: Das könnt Ihr getrost auch lassen! 🙂 Insbesondere, wenn Eure Anfrage eher kurzfristig ist. Wenn Ihr Glück habt, werden die Beiträge innerhalb von 2 Wochen freigeschaltet – oder Eure Beitrittsanfrage bestätigt. Ich weiß, hier unten gilt das MANANA-Mantra, aber soviel MANANA passten dann doch nicht in meine Planung.

Sagte ich nicht schon mal, dass ich hier unten so ziemlich alles an Planung wieder vergessen konnte, was ansatzweise angedacht war??? 😉

Herbie, mein Retter in der Not 2

Und wieder war es Herbie, der mir den Ar**** rettete – indem er sich anbot, mich bis Malaga zu bringen. Das waren immerhin um die 200 km eine Strecke! (dicken Schmatzer dafür, Herbie!)

In Malaga hätte Andreas die Möglichkeit gehabt, mich spätabends am Flughafen aufzupicken, weil er jemanden dort abzuliefern hatte.

Was für mich bedeutet hätte, mit all meinem Sack und Pack inkl. Shanti ca. 12 h am Flughafen „abzuhängen“, bevor es weiter Richtung Yoga-Resort gehen sollte.

Doch Herbie entschied sich noch während der Fahrt, mich direkt zur  Finca zu bringen.

Wenn wir gewusst hätten…

Tjaaaa, Anreise Rio de la Miel ist echt eine spannende Sache gewesen!

Ausgeschildert ist hier unten in Spanien ziemlich wenig, erst recht keine einzelne Finca, und auch die Beschreibung auf der Homepage war seinerzeit noch ziemlich dürftig. (Mittlerweile gibt’s eine klasse PDF zum downloaden!)

So hatten wir nach etlichen Anläufen endlich die richtige Abzweigung von der N-340 gefunden, doch da oben gab es dann kein Funknetz mehr. Irgendwann wurde die Straße unwegig und ohne Geländer; da wollte auch Herbie nicht weiter!

Also zurück, Marsch, Marsch, bis wir wieder Funknetz hatten.

Anruf auf der Finca: „Nee, da gibt’s kein Schild, Ihr müsst auf halber Strecke links abbiegen.“

Doch bevor ich genauer nachfragen konnte,war die Leitung tot.

Na, und dann war erstmal Yoga-Stunde da oben – und wir erreichten telefonisch überhaupt niemanden mehr…

Diejenige, die Telefondienst machen solte, hatte sich entschieden, uns entgegen zu gehen – nur dass wir ja wegen des Funklochs quasi wieder am Fuß des Berges standen: Rd. 10 km von der Finca entfernt… 🙂

Doch nach 17 Uhr war auch Andreas wieder erreichbar und kam den Berg hinunter, mich aufzupicken.

So hieß es erstmal „bye bye, Herbie und tausendfachen Dank für Deine Hilfe!

Rio de la Miel – am Ende der Welt, ganz nah bei Dir

Okay, dass da oben ein paar Hunde warten, war mir bekannt. Dass es Rataneros waren ebenso.

Ich hatte da so die Vorstellung, so wie Shanti quasi ein etwas größerer Zwergpischer ist, dass dieses Trio, was uns dort neben einer Foxterrierhündin erwartete, so etwas wie normale Pinscher wären.

Ätsch, daneben! 🙂

Als wir ankamen, kam die wilde Horde auf uns zu – zumindest fühlte sich das für mich so an, und auch Shanti war echt eingeschüchtert. Dabei macht die Kleine so gern Hundebekanntschaften! Doch dieses Trio waren eingeschworene Geschwister, die ihr Ausgesetzt-werden nur noch mehr zusammen gebracht hat.

Und die furchtsamste „kleine Schwester“ Pequena fürchtete sich wirklich vor dem Wind in den Blättern. Und sobald sie etwas anbellte, kamen die beiden Brüder ihr zu Hilfe – sehr zum Leidwesen Shantis, die nur zu gern mit ihnen gespielt hätte.

Floh, die Foxterrierin, hatte sie als erstes angenommen. Das machte es leichter, denn Floh war aktuell am Ehesten die Rudelführerin.
Doch die Zeiten waren nicht einfach: Kurz zuvor musste der eigentliche Rudelführer nach einem heftigen Treppensturz eingeschläfert werden.

So trafen wir exakt in einer Zeit des Rudelkampfes ein – kein sehr guter Zeitpunkt für fellige Neuankömmlinge…

Yoga und so

Hatte ich Erfahrung mit Yoga?

Yepp, aber nicht die Dollsten!

Ich bin damals im Zuge meines Burnouts „zwangsverpflichtet“ worden, im Rahmen eines Krankenkassen-Kurses Yoga mit zu machen. Mir war völlig rätselhaft, wie mir das gegen das zugrunde liegende damalige Mobbing helfen sollte – und ich war auch noch weit von meinem spirituellen Weg entfernt!

Also absolvierte ich dort 2-3 Stunden – das war’s! Aber durch Tai Chi hatte ich längst erfahren, welche Auswirkungen manche Bewegungen hatten, und habe seit meinem kaputten Rücken viele Yoga-Übungen in meinen Tagesablauf aufgenommen. Sie taten gut, halfen mir, innerlich wie muskulär auszugleichen und wurden schnell ein fester Teil meines Morgenrituales.

Nun also Yoga mal völlig freiwillig, bewusst und in einer Umgebung, die echt die Seele singen lässt! (Yeah!!!)

Dazu ist auf Rio de la Miel eine Avocado-Plantage! Himmel hilf! Den Dingern hab ich nie was abgewinnen können – wie schön, dass ich immer offen für Neues bin, denn hier wurde ich echt vom Gegenteil überzeugt: Ob als Basis für Schoko-Nachtisch, ob lecker mit Zwiebeln als Dip zum Abendessen oder in Aufläufen, Avocados sind nicht nur super gesund, sondern auch absolut vielseitig und lecker!

Dazu gab’s noch etliche Orangen- und Zitronenbäume in diesem wundervollen Yoga-Retreat in Andalusien, also ehrlich mal: In welcher Region könnte es gerade um diese Jahreszeit schöner sein, Yoga, Aus-Zeit und leckeres veganes Essen zu kombinieren?

Und wieder spricht die Seele

Gut, für Shanti war’s wirklich nicht leicht dort oben: Während den Mahlzeiten und Yogastunden war sie auf meinem Zimmer, denn sie allein mit der restlichen, rivalisierenden Hundegruppe zu lassen, war mir echt zu heikel.
Immer wieder gingen sie auf Shanti los, besonders wenn  Pequena diese anbellte. Dabei waren sie zu zweit mit Shanti immer völlig verspielt! – Nur wenn sie als Gruppe auftraten, wurde es problematisch…

Und so kam es, dass schon direkt in einer der ersten Nächte, Pequena  mit mir „sprach“. Ohne Scheiß, das muss sowas wie ein lucider Traum oder so gewesen sein.

Sie hat mir auf jeden Fall haarklein erklärt, warum sie so (als Gruppe) reagieren. Und nein: Ich hab nix geraucht, Du erinnerst Dich vielleicht: Hier gilt Rauchverbot 😉

Klar, dass mich auch Andreas am nächsten Tag, als ich ihm das erklärt habe, angeguckt hat, als wäre ich nicht ganz dicht. Ging mir ja selbst so. Ich lief nur noch kopfschüttelnd durch die Gegend.

Doch es hörte nicht auf: In weiteren Nächten bekam ich von irgendeinem anderen Teil meines Selbst haarklein vorgeschrieben, wie die Visitenkarten auszusehen hatten, die ich drucken sollte.

Dazu diverse andere Erlebnisse, auf die ich hier jetzt nicht näher eingehen möchte.

Und doch kann ich sagen: In Rio de la Miel bin ich mir in einer Art und Weise selbst begegnet, wie ich es nie für möglich gehalten hätte – und ich bin fest davon überzeugt, dass sowohl das Yoga, die Ernährung, die Umgebung als auch der Verzicht auf Alkohol und Zigaretten daran seinen/ihren Anteil haben!

Mein Poetry place – zwischen Berg und Meer

Wovon ich Dir auch unbedingt noch erzählen möchte, ist mein Zimmer und mein Poetry place!

Mein Zimmer hab ich gleich auf Anhieb geliebt! Es war vielleicht 2,5 x 2,5 m groß, mit 2 Einzelbetten und einem 50 cm hohen Bänkchen, auf dem man ein paar Sachen ablegen konnte. Ein Stuhl und eine Wandgarderobe komplettisierten die Einrichtung. Genau SO stellte ich mir ablenkungsfreies Downsizing vor! Das allerwichtigste in diesem Raum war: Das Fenster!

Es war zwar nur vielleicht 40×50 cm groß, aber der Blick war einfach nur der Hammer!

Ich beschreib ihn jetzt nicht, ich zeig ihn Dir!

Rio de la Miel Blick
Rio de la Miel Blick

Da schmelze ich sogar jetzt im Nachhinein gleich wieder dahin… 🙂

Dazu kam, dass ich in diesem Zimmer auch noch Internet-Connection hatte (was sonst nur unten, nahe dem Büro machbar war).
Das hat mir natürlich mein Arbeiten enorm erleichtert, und ich musste Shanti nicht mehr als nötig alleine lassen.

Sonne weg – schwupps kalt 🙂

Ja, genau das war nämlich der Punkt: Es war für Dezember wirklich angenehm, sobald die Sonne hinter’m Berg her kam – doch sobald sie weg war, war es auch sofort kalt! Wir hatten sogar Nächte, die an die Nullgrade heran reichten – was nach meiner vorherigen Recherche in Andalusien eiiiiigentlich ausgeschlossen sein sollte. Aber nun denn: Ich war ja nun mal im Berg, knapp unterhalb der Sierra Tejada.

Und genau das wurde mein und Shantis Morgenritual: Erst einmal rauf auf den Berg! Die Sonne begrüßen bzw. ihr entgegen gehen. So waren wir außer Reichweite der anderen Hunde (auch wenn uns immer wieder mal einer von ihnen begleitet hat, was auch nie problematisch war), ich konnte mich also auf das konzentrieren, was ich machen wollte (hab oft genug mein Laptop mit auf den Berg genommen), aber manchmal hab ich hier auch die lyrische Ader gekriegt.

Mal sehen, ob ich das hier verlinkt bekommen…

Fazit:

Fast vier Wochen blieb ich hier, habe wirklich tolle Menschen kennen gelernt, einen Biß bei einer der Hunderangeleien abbekommen, etliche Gespräche mit meiner Seele (oder einem anderen Teil von mir) gehabt, Yoga gelernt (naja, den Sonnengruß kann ich jetzt zumindest; und die Krähe) und eine Menge über veganes Essen.

Ich hab Porridge kennen und lieben gelernt (vor allem mit vielen Früchten, Pfirsichmarmelade oder Agavendicksaft echt was für so Leckermäuler wie mich!) und war für die Finca bzw. ihre Homepage hoffentlich auch eine gute Hilfe (was sich wohl erst in den kommenden Wochen zeigen wird, weil die Umsetzung etwas auf sich warten ließ). 🙂

Dazu war ich zwischendurch oft genug kurz vor dem Aufgeben – doch dann kam immer eine unvorhersehbare Wendung, die alles anders kommen ließ und mir auch wieder Hoffnung gegeben hat!

Ich möchte keinen einzelnen dieser Tage missen oder austauschen wollen!

Was es mit meinem Hexenschuß auf sich hat, und wie die letzten Tage in Andalusien vor meinem Heimflug über die Weihnachtsfeiertage aussahen; was das alles mit 4 wuseligen Patenflughunden zu tun hat und inwiefern in Jerez de la Frontera die Dinge anders laufen, das kannst Du im nächsten Teil erfahren. 🙂

 

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Ein Gedanke zu “Geh Deinen Weg (Teil 4)) Rio de la Miel

  1. Pingback: Poetry Place in #RiodelaMiel, Andalusien – flowngrow

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