Geh Deine Weg (Teil 3) Tarifa

Strand von Bolonia

Geh Deine Weg (Teil 3) – oder: Auch auf der Erde gibt es Engel!

Eigentlich dachte ich, mit meiner Anreise nach Andalusien hätte ich das Gröbste geschafft!

Ich war in diesem schnuckeligen, kleinen Appartment in der Altstadt von Jerez, habe noch etwas mit Herbie, dem Weltenbummler getextet und freute mich irrsinnig auf’s Meer!

Dass das Chaos hier erst noch seinen Lauf nehmen sollte, das sollte ich schon sehr bald erfahren…

Meine Seele kann reden

Ganz ehrlich, hätte mir jemand diese Überschrift vor 6 Monaten genannt, hätte ich ihn vielleicht ausgelacht. Sicher kannst Du anhand Deiner Gefühlswelt und Intuition Deine Seele oder auch Dein eigentliches, unter lauter Konditionierungen und Erziehungen verschüttetes ich wahrnehmen, aber wer von uns lebt schon wirklich dauerhaft im JETZT, um das zu beherrschen?

Doch schon in dieser Nacht war alle irgendwie anders.
Normalerweise schlafe ich wie ein Stein und erinnere mich auch nur selten an meine Träume. Doch in dieser Nacht war ich sicherlich 6-8 Mal wach, jedes Mal mit sehr real wirkenden Impressionen, Film-Sequenzen oder Song-Ausschnitten. Doch eines blieb ganz heftig hängen:
Ich habe exakt vorher geträumt, wie die erste Begegnung mit Herbie ablaufen würde!

Jetzt lässt sich vielleicht drüber streiten, was eher da war: Das Gefühl diesem Menschen gegenüber, der Gedanke oder der Traum. Fakt war, dass sich am kommenden (Vor-)Mittag unser Zusammentreffen exakt so abspielte, wie ich es im Traum schon vorweg erlebt hatte!

Wach mit einem Yeah!

Und obwohl ich in dieser Nacht nicht wirklich viel Schlaf – und schon gar nicht am Stück! – bekommen hatte, war ich morgens schon vor meinem Wecker putzmunter, Energie geladen und voller Tatendrang.

Zum Einkaufen war es am Vorabend zu spät, also schnappte ich mir Shanti und wir machten eine Runde um den Block. Ich hatte noch gar nicht registriert, dass ich mitten in der Altstadt war, doch hinter der nächsten Straßenbiegung lag ein Café neben dem anderen, alle von der Morgensonne beschienen, am Straßenrand!

Habla espagnol?

Nun wurde es witzig: Ich hatte zwar Jahre zuvor eine Menge spanischer Vokabeln gelernt ( Langscheid: Spanisch in 30 Tagen), aber in Deutschland hatte ich einfach kaum Möglichkeiten, mich auszutauschen, geschweige denn zu intensivieren oder nur Fehler in der Satzstellung usw. auszumerzen! Es dauerte ewig, bis ich überhaupt registriert hatte, dass ich immer „nosotros und vosotros“, statt nosostros und vosostros benutzt hatte – und noch länger, das wieder zu korrigieren!

Ich wusste auch, dass in verschiedenen Regionen Spaniens unterschiedliche Stile gesprochen wurden, also hab ich entschieden, hier vor Ort zu lernen.

Was aber jetzt bedeutete, dass ich ein wenig ratlos im Café saß: Wie war das nochmal mit Kaffee? Der große, schwarze, den ich haben wollte, hatte eine bestimmte Bezeichnung, soviel wusste ich noch. Doch durch die Anreise war ich irgendwie noch im „Stress-Alzheimer-Modus“: Mein Kopf war halbwegs leer oder wollte zumindest gerade echt nicht die Infos raus rücken, die ich brauchte.

Also probierte ich mich einfach beschreibend durch: Ich wusste, was groß, schwarz und stark heißt und voilá: Ich glaube, es hat sich dazu  noch etwas italienisch und französisch eingeschlichen… Aber ich hatte meinen Kaffee genau so, wie ich ihn wollte…

Morgenkaffee Jerez
Morgenkaffee Jerez

🙂

 

Caramba! Multilinguale Verzweiflung

Also, das muss ich ja jetzt auch mal hier los werden: Es wird immer gesagt, wenn Du andere romanische Sprachen sprichst, fällt Dir Spanisch lernen leichter. Pustekuchen!!!

Ganz ehrlich, ich komm dauernd durcheinander, Betonungen geraten ebenso durcheinander wie ich manchmal meine Sprachen kreuz und quer verbinde. Einfacher? Einfacher als was?

Ich glaube, es ist leichter, eine asiatische, eine afrikanische, eine osteuropäische und eine westeuropäische Sprache zu lernen (oder zu beherrschen), als drei oder vier romanischen Ursprungs!

Aber hey: Die Leute haben mich verstanden, sind immer total hilfsbereit und gewillt, Dir auf die Sprünge zu helfen, so what? 🙂

Ich hoffe nur, dass ich mir auf diese Weise nicht ein total schlampiges Spanisch angewöhne… 😉

Mit Herbie ans Meer

Der Mittag nahte mit großen Schritten und Herbie war im Anmarsch. – Hätte ich gewusst, wie groß sein WoMo war, hätte ich ihn direkt vor meiner Straße gewarnt! 😉

Der Arme kam zwar rein, aber nicht komplett durch, weil die Straße im oberen Bereich immer enger wurde…

Wir hatten sofort so ein Gefühl, als ob wir alte Vertraute wären. Das habe ich häufiger, wenn ich nachher in der Retrospektive fest stelle, wohin der ganze Weg, die Verbindung dann führt.

Das ist, als ob man sich auf Seelenebene vor einer Ewigkeit genau für diese Treffen, Hilfestellung und Erlebnisse verabredet hat. Lach nicht, ich persönlich seh das so!

Herbie und ichAls ich ihm erzählt hab, dass ich schon seit 15 Jahren nicht mehr am Meer war, steuerte er sein WoMo direkt nach Bolonia – und ohne Scheiß: Ich hab das Meer gesehen und geheult wie ein Schlosshund!

Ich fühlte mich so richtig angekommen, auch wenn ich noch gar nicht ahnte, was da auf mich zukommen würde. Doch das spielte keine Rolle, alles was zählte, war dieser Moment!

Strand von Bolonia

Und prompt erinnerte ich mich an einen meiner Lieblings-Wallpaper für’s Laptop:

Life’s so much better in Flipflops

Daher hier jetzt für Euch meine persönliche Variante:

Life's so much better in flipflops
Life’s so much better in flipflops

Freier Fall – ganz easy

Echt, Leute, der Tag am Meer war einfach nur der Hammer! Shanti habe ich in Deutschland noch nie so souverän erlebt, sie tanzte und sprang voller Lebensfreude durch den Sand, buddelte und flitze in irrsinnigem Tempo strandauf, strandab; ich war voll im Genuss-Modus und Herbie genoss ebenso lächelnd, uns so leicht so eine Riesen-Freude machen zu können.

Aber da eh der Strand von Tarifa unser Ziel war, zogen wir irgendwann weiter – das Meer immer in Sichtweite.

Was dann passierte, habe ich seitdem immer wieder versucht zu analysieren. Mit meinen Auftraggebern war abgesprochen, dass ich mich an meinem ersten Tag in Andalusien bei ihnen melde. Ich hatte sie allerdings ebenso darüber informiert, dass ich diesen ersten Tag am Meer verbringen würde (bzw. der Vorschlag kam genau genommen von ihnen selbst). Also habe ich die zwei dann angerufen, als ich  mit Herbie in Tarifa angekommen war.

 

Doch – zumindest habe ich es so empfunden – reagierten meine Auftraggeber ziemlich „angefressen“, sie hätten morgens mit meinem Anruf gerechnet, und wenn ich jetzt erst „Aussteiger-sein“ leben wollte, wäre ich die Falsche für sie. Ich solle dann mal erstmal gucken, was ich jetzt tu, sie wollten mich nicht da haben!

Pffft!!!

Zwei Monate stand ich laufend in Kontakt mit meinem ersten Auftraggeber für Marketing gegen Kost und Logis hier unten (Jepp,so habe ich hier angefangen). Über jeden einzelnen Schritt habe ich sie vorher informiert und auch am Vorabend meines Abflugs noch mit ihnen telefoniert, bis dahin war alles in Butter.

Mit keinem Wort haben sie bis dahin erwähnt, dass sie sich von meiner Flugbuchung überrumpelt gefühlt hatten und erst recht nicht, dass sie ca. 1 Jahr zuvor schon einmal schlechte Erfahrungen mit diesem Wohnen gegen Hand-Konzept gemacht hatten.

Einerseits hätte ich mir gewünscht, gerade über derlei Ressentiments im Vorfeld mit ihnen reden zu können, doch andererseits weiß ich jetzt, dass es so kommen sollte (sonst wäre meine Geschichte nicht die, die sie ist 😉 )

Und Tschüß!

Da stand ich nun: Gestrandet in Tarifa, ohne Schlafsack, Zelt, dafür mit viel zu schwerem Rucksack, Laptop und Hund in einem Land, in dem ich mit ihr nicht mal Bus fahren konnte!

Ganze 3,68 € waren noch auf meinem Konto und ca. 200,00 € auf meiner Kreditkarte – meine Geldeingänge aus der Heimat ließen ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt echt auf sich warten!

Doch für Herbie war das alles kein Problem: „Dann bleibst Du halt erstmal bei mir, sortierst Dich und schaust, wie es weiter gehen soll“, sagte er nur zu mir.

Dafür werde ich ihm ewig dankbar sein und ich weiß, dass ich derartiges Handeln auch meinerseits auch aus diesem Grund weiter gebe (pay it forward). So erreicht es immer die, die es gerade besonders dringend brauchen und das Gute verbreitet sich in der Welt!

(Kannst mich gerne als Weltverbesserer belächeln, doch solange es Menschen wie Herbie und mich gibt, können wir diese Welt tatsächlich besser und angenehmer machen!)

So, da war ich also quasi im freien Fall; der zurück gezogene Auftrag, für den ich die gesamte Zeit bis Weihnachten eingeplant hatte, war also quasi futsch – und damit die komplette Planung der kommenden 6 Wochen!

Na, was glaubst Du, wie sich das anfühlt? Allein ohne ausreichende Sprachkenntnisse, Strom, Internet, Schlafsack in einem komplett fremden Land; und meine einzigen Anker dieser Zeit waren mein Hund und Herbie!

Aber Pustekuchen! Ich fühlte mich überhaupt nicht gestresst; unter normalen Umständen würden meine Herzklappen jetzt den Kolibri machen oder Samba tanzen, eine emotionale Achterbahn mit allen nur denkbaren Angstvorstellungen und Panik-Attacken hätte mich voll im Griff.

Aber: Hier war nur ich, ich war nur in diesem Moment und ich war total in meiner Mitte. Mich durchströmte eine Ruhe, die mich selbst total erstaunte. Es war einfach das Gefühl: Es ist genau so, wie es jetzt ist, „wegig“ (also zu meinem Lebensweg passend, ohne nach gut oder schlecht bewertet zu werden).

So zeigte mir Herbie in den kommenden Tagen WiFi-Hotspots in Tarifa und am Strand, ich lernte Marcel kennen, der mir immer mal Strom von seinem Solar-Ladegerät abgab, um mein Laptop zu laden (und dadurch natürlich meinen Bestandskunden nach wie vor zuarbeiten und Kontakt mit der Heimat halten zu können) und Shanti eroberte „ihren Strand“ samt Pferdestall, Nachbar-Hunden und mehr.

In Tarifa ist definitiv ein Teil meines Herzens oder meiner Seele geblieben, als ich nach einer Woche weiter zog.

Doch wie es wiederum dazu kam und welche Erlebnisse mich dann im Griff hatten, liest Du in der morgigen Ausgabe von „Geh Deinen Weg“

Dann geht’s unter anderem um Hunde-Attacken, Zigaretten-Abstinenz, Yoga-Erlebnisse und Hexenschuss – aber mehr verrate ich  noch nicht. 😉

 

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Ein Gedanke zu “Geh Deine Weg (Teil 3) Tarifa

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