15. Januar: Mit Achtsamkeit Trauer besser bewältigen- so geht’s

Jeder unter Euch, der wie ich ein geliebtes Lebewesen verliert, wird es nachfühlen können: Das einzig vorherrschende Gefühl ist dumpfer Schmerz, der Dir die Luft zum Atmen nimmt, Du möchtest das Bett nicht mehr verlassen, diese Änderung in Deinem Leben gar nicht akzeptieren.

Bloß schlafen; schlafend ignorieren können, dass in Deinem Leben auf einmal eine riesengroße Lücke klafft, sich Dein Leben auf den Kopf gestellt hat und Dir Dein Herz zerrissen wurde.

Aber so schwer der Schmerz zu ertragen ist, so unausweichlich geht doch das Leben weiter: Dein Chef beansprucht Deine volle Einsatzkraft, Deine Familie ebenso, irgendwie hast Du zu funktionieren und hast selbst dabei das Gefühl, innerlich nur noch etwas mehr zu sterben, weil Du völlig gegen Dein eigenes inneres Gefühl handeln musst.

Genau darum ist es doppelt so wichtig, Dich mit dem Abschied-Nehmen ebenso auseinander zu setzen, wie auch einen Weg zu finden, trotz der Trauer weiterhin für die anderen Dinge Dankbarkeit spüren zu können (und nach dem Verlust diese wahrscheinlich sogar noch mehr wert zu schätzen).

Eines kann ich Euch sagen: Man kann Dankbarkeit und Trauer gleichermaßen erleben. Mein Herz war und ist so schwer, Filou hat den Großteil meines Lebens bestimmt. Aber dennoch kann ich mir den morgendlichen Aufwach-Ablauf mit ihm in Erinnerung rufen, und es zaubert ein Lächeln auf mein Gesicht: Diese unbändige Begeisterung von ihm darüber, dass ich wach wurde, dass wir nun eeeeendlich (nachdem er ja nun ewig drauf wartet, dass ich endlich wach werd) diesen wundervollen Tag erobern und entdecken können, diese Aufforderung und Wachheit in seinen Augen, sein Tatendrang- all das schafft es tatsächlich, neben einer dicken fetten Träne im Knopfloch und einem Kloß im Hals mir ein Lächeln zu entringen.

Filous Lieblingsplatz
Filous Lieblingsplatz: Autodach

Und genau hier könnt auch Ihr Achtsamkeit wirksam einsetzen, Euch aus der Trauer zu lösen- und wenn es zu Beginn auch immer nur für Minuten ist.

Ich bin seit Sonntag jeden Tag mindestens eine unserer Runden gegangen. Habe mit ihm gesprochen, habe aber auch vor allem mehr und mehr verstanden, was er mir eigentlich alles in den vergangenen zehn Jahren beigebracht hat. Meine Güte, ich an seiner Stelle hätte so oft die Geduld verloren, doch er hat mit bedingungsloser Liebe einfach stoisch weiter gemacht, mich mit der Nase darauf zu stoßen:

Leben im Augenblick, sich im Moment zu verlieren, sich voll und ganz dem zu widmen, was man gerade tut. Ganz ehrlich: Hunde sind die wahren Buddhisten, ist es nicht so?

Und so nehme ich die vielen unterschiedlichen Aspekte der Achtsamkeit, die mir mein Hund beigebracht hat. Und ja: Ich bin nicht nur dankbar dafür, ich habe ihm auch versprochen, sie weiter zu trainieren und zu intensivieren.

Achtsamkeit bedeutet auch, sich dem Fluss der Dinge hin zu geben. Es geht nicht darum, gegen den Strom zu schwimmen. Es kostet übermäßig viel Energie und bringt Dich nicht weiter, wenn Du die Dinge, die geschehen, nicht akzeptieren lernst. Das Leben hält immer wieder Wendungen für uns bereit, gegen die es sich nicht lohnt, sich zu sperren. Sie sind wichtig und gehören dazu, ob Du sie nun auf Anhieb magst oder nicht.

Dieselbe Achtsamkeit bedingt bei mir persönlich aber auch, mir selbst gut zu tun. Die Gitarre mal wieder in die Hand zu nehmen, Dinge zu tun, essen, zu genießen, die ich lange nicht mehr gemacht habe. Mich von Freunden in den Arm nehmen zu lassen, aber auch gut für mich zu sorgen: Schlaf, Essen, Pausen- und auch diese Phasen des Lächelns.

Sie alle werden irgendwann das Glücklich-Sein wieder in mein Leben zurück bringen…

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