11.Januar: Liebesbrief an Filou- der Himmel hat eine seiner wundervollsten Seelen zurück <3

Mein süßer Schatz,

zehn Jahre ist es her, dass ich eine Handvoll Hund unter einem Tisch, 300 km weit von hier, in meine Arme schloss und mit mir nach Hause nahm.

Du erinnerst Dich, ich war gerade frisch am Rücken operiert (und hätte nie und nimmer diese Strecke fahren dürfen), aber in Dein süßes Gesichtchen hatte ich mich auf Anhieb verliebt: Ich wußte, wir gehören zusammen.

Die Heimfahrt war für Dich wirklicher Horror: Zum ersten Mal von Deinen Geschwistern und Mama getrennt, bist Du noch nie Auto gefahren. Dass der Boden, die Welt, wackelt und auch noch so laut war, hat Dir fürchterliche Angst gemacht. Ich fühlte mich so hilflos, ich wollte Dir doch so gerne zeigen, dass Du Dich nicht zu fürchten brauchst, dass alles gut ist.

Filou im Herbstlaub
Filou im Herbstlaub

So überlegte ich, wie eine Hundemutter ihr Welpe beruhigen würde- und schleckte Dich ab! Das besiegelte ein so enges Band zwischen uns, dass Du in der Obhut von anderen nichts anderes mehr tatest, als darauf zu warten, dass ich zurück komme. Dem Uwe bist Du sogar beim Joggen weggelaufen, nur weil ich gesagt habe, dass ich an der Garage auf Dich warte.

Nie werden wir Deine ersten Tage hier vergessen, ein zitterndes kleines Bündel Angst, der Schnee höher als Du.

Du hast Julian geholfen, weniger ruppig zu werden, sensibel mit Dir und anderen umzugehen, Du hast mir gezeigt, wie man von der Überholspur runter kommt, Muße genießen lernt und im Augenblick verweilt. Durch Dich haben sich Freundschaften ergeben, die ich nie wieder missen möchte.

Du hast richtig gut gehört, auch wenn ich dazu auf 3 verschiedene Sprachen zurück gegriffen habe. „Place-toi“ hast Du aber einfach lieber umgesetzt als „Platz“. Ebenso wie „aqui“ Dich irgendwie eher dazu bewegt hat, herzukommen, als wenn ich „hierher“ sagte.

Oh ja, Du hast wirklich viel verstanden, Du warst ein unglaublich pfiffiges und talentiertes kleines Kerlchen. „Peng, Du bist tot“ hast Du innerhalb einer halben Stunde gelernt- Lieblingsleckerchen vorausgesetzt.

Ich bin Dir so dankbar, dass Du diese zehn Jahre bei mir warst. Die OP war geschehen, und dennoch kamen die Schmerzen wieder, in unvorstellbaren Höhen. Meine tägliche Medikamentendosis hätte einen Junkie eine ganze Woche lang glücklich durch die Gegend laufen lassen.

Ich war kurz davor, vor einen Baum zu fahren: Keine Zukunft, keine Arbeit, Hartz4, keine Aussicht, jemals wieder schmerzfrei zu sein.

Filous Lieblingsplat
Filous Lieblingsplatz

Aber ich konnte nicht- wegen Dir! Ich wußte, Du könntest es niemals verstehen und würdest eingehen vor Gram. Nein, das konnte ich nicht verantworten. Also blieb ich, und Du zeigtest mir in diesen Jahren, dass man auch mit Schmerzen und Sorgen glücklich sein und lachen kann.

Du warst das beste Antidepressiva der Welt, wie Du morgens immer völlig begeistert um mich rum sprangst, sobald ich wach war:

„Sie ist wach, sie ist wach, jippieh!“. Das werde ich nie vergessen, mein Schatz.

Du hast mein Leben bunt gemacht; Du bist lieber mit mir auf eine Luftmatratze gegangen, als am Ufer auf mich zu warten- obwohl Du tierisch Schiss vor Wasser hattest.

Du hast mich todesmutig gegen jeden Menschen, jedes Tier verteidigt- so sehr, dass ich manchmal Schiss um Dich hatte (vor allem, wenn der andere Hund Dich zum Frühstück hätte verspeisen können).

Du hast mir Achtsamkeit beigebracht, ich habe gelernt, in der Art, wie Du Dich bewegst zu lesen; ich konnte an Deinem Gesicht ablesen, wie es Dir geht.

Wir sind gemeinsam auf Berge gekraxelt, Du hast im Ötztal sogar einen Klettersteig mit uns gemacht (Uwe hatte es am Schwersten, der musste Dich schleppen). Wir sind in Frankreich Trockencanyons gegangen und ich musste Dich vor Deiner eigenen Neugier, Schlangen und Skorpionen retten. Wir waren am Kochelsee zelten, haben in Zittau Freunde besucht und Du hast das Herz von Uwe’s Mutter mit Deiner wundervoll-einfühlsamen Art für Dich gewonnen.

So schissig Du in manchen Situationen warst, so mutig und stark warst Du in anderen: Du hattest keine Angst vor der Kanone auf dem Schützenfest. Auch Silvesterböllern hast Du nur interessiert zugesehen. Es ist wirklich erstaunlich für einen Hund, der mehr Angst als Vaterlandsliebe besaß.

Was ich am meisten vermissen werde, sind Deine Küsse und unsere Schmusestunden. Du konntest ohne Unterlass minutenlang mich abschlecken und küssen, bis ich fast keine Luft mehr bekam.

Sonnenhund
Sonnenhund

Du hattest echt ein Händchen dafür, mich daran zu erinnern, wie wichtig Schmusen ist- oder auch eine Zeit in der Natur. Du hast mich zur Ruhr geführt, wenn Du das Gefühl hattest, ich bräuchte das.

Du wusstest so oft viel besser, was richtig für mich war, als ich selbst. Du hast mich an die Ruhr gezogen, wenn es wichtig für mich war, dem Fluss der Dinge zu vertrauen. Oder zum Wald, wo ich mich immer am Besten erden kann.

Deinen neugierigen, wachen Blick werde ich nie vergessen. Und erst Dein Lächeln! Jeder konnte es Dir direkt ansehen, wenn Du voll in Deinem Element warst! Ich hoffe, wir haben alles möglich gemacht, damit Du Deine Zeit hier auf Erden wirklich genießen konntest!?

Du hast mein Leben auf Deine ganz besondere Art und Weise bereichert. Ich werde niemals mehr so sein können wie vorher, und das ist auch gut so. Du warst der tollste Lehrer, meine große Liebe, mein Beschützer, mein Freund.

Danke für zehn wundervolle Jahre, mein kleiner Eierbär!

Ich liebe Dich

Sabine

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