5. Januar Die Achtsamkeit, Authentizität und Erotik- wieviel Ehrlichkeit verträgt die Welt?

Heute morgen bin ich aufgewacht mit der Frage, wieviel Ehrlichkeit die Welt heute denn so im Allgemeinen verträgt.

Ich selbst gehöre einer Generation von Frauen an, die als kleines Mädchen noch sehr genau gesagt bekommen haben, wie sie denn zu sein haben, damit die Welt sie mag. Und so war auch ich ein klassischer Perfektionist, der es der ganzen Welt recht zu machen versucht hat- bis Burnout, Depressionen und ein kaputter Rücken mich selbst ins Grübeln brachten.

Heute weiß ich, dass wir einen sehr schlauen Körper haben, der uns wirklich klar zeigt, wo wir „wider unsere Natur“ leben. Wir leben, wie wir konditioniert worden sind, wie uns gesagt wurde, dass man in der heutigen Zeit gebraucht wird und wie man ins System zu passen hat.

Wenn Du aber beginnst, Deinem eigenen inneren Song zu folgen, kommst Du mehr und mehr in den Konflikt, dass dieser in vielen Bereichen ganz und gar nicht mit dem konditionierten „das tut man so“ zusammen passt.

Jeder von uns besteht aus unendlich vielen tollen Facetten. Uns genau so anzunehmen, völlig wertungsfrei, ist ja schön und gut. Aber in wie weit kann ich tatsächlich zu mir stehen, wenn mein „ich“ sich- durch Blogs, Homepage, Kommentare etc.- nach außen trägt? Auf einmal, außerhalb des geschützten Umfelds, ist das nämlich alles andere als einfach, dazu gehört Mut.

In der heutigen Gesellschaft gehört Be- und auch Verurteilung zum Volkssport, da ist es zwar schön, wenn Du Dich selbst zuhause wunderbar authentisch annehmen kannst, aber wirklich authentisch kannst Du erst sein, wenn Du Deine Komfort-Zone verlässt.

Doch schauen wir uns genau dort einmal um: Medien, die uns Unwahrheiten erzählen, Politiker, Nachbarn und Freunde- diese hoffentlich eher aus Höflichkeit, weil sie nicht verletzen wollen. Manchmal denke ich, unsere komplette Gesellschaft ist ein einziger großer Fake!

Und dann der Umgang mit Erotik und Sinnlichkeit. Sex findet sich in jeder zweiten Werbeanzeige als Zugmittel, die Welt gibt sich so offen, liberal und locker.  Und dennoch werden Schmuddel-Pages heimlich besucht, als ob Sex, Erotik und Sinnlichkeit nicht ganz natürliche Bedürfnisse wären. Meinen Eltern war es früher fürchterlich unangenehm, dass sie einen Fotoband der Erotik besaßen. Ich finde das vollkommen okay, ebenso wie erotische Phantasien oder Gedanken.

Womit ich bei meinem Kernthema wäre, denn: Ich schreibe auch Auftragsblogs. Und einer dieser Auftraggeber hat das Themengebiet mit „Erotik, Lifestyle, alles zwischen ihm und ihr“ umschrieben. Nun ging es um die Frage, ob ich unter einem Synonym schreiben möchte- was mich heute morgen exakt zu meiner Ausgangsfrage geführt hat.

Wieviel Authentizität verträgt die Welt, wenn wir alle mehr ehrliches „ich“ in unsere Leben bringen würden?

Wieviel spannender wäre die Welt, wenn mehr Sinnlichkeit, ohne Angst vor Ablehnung, Lächerlichkeit, Ignoranz in ihr wohnen würde?

Wieviel bunter wäre der Alltag mit prickelnder Erotik, die sein darf, ohne verurteilt zu werden, ohne beurteilt zu werden, die einfach IST?

Meine Gedanken, in meinem speziellen Fall, gingen in die Richtungen „Was, wenn mein Sohn, jemand anderes aus meiner Stadt/der mich kennt, die Blogs liest und sieht, dass ich die schreibe“?, Könnte ich mir damit gegebenenfalls andere Auftraggeber verscheuchen? Schäme ich mich dafür? (Hier ein ganz klares Nein!)

Und dann wurde mir klar, dass schon allein dieses Denken, diese Fragen, mich aus meinem Ich-sein rausgebracht haben.

Dieser kleine Kobold „Ego-Verstand“, diesem seit jüngster Kindheit darauf trainierten Element, dass gefüttert ist mit Informationen, wie wir in dieser Welt am Besten funktionieren sollten. Ein wahrer Spaß- und Spielverderber ist er, eine Mischung aus Jiminy Grille und „Waldorf und Statler“. Schlechtes Gewissen, erhobener Zeigefinger, innerer Kritiker- und alles gar nicht von uns! Dieser Kobold ist komplett gefüttert von unserem Umfeld, Eltern, Lehrer, Freunde, Gesellschaft, die alle ihren Teil hinein gestopft haben, wie sie uns gerne hätten.

Aber genau diesen gilt es auszublenden, wenn wir authentisch sein, schreiben, leben möchten. Nur so können wir aus dem Flow heraus agieren, was nichts anderes bedeutet, als dass Herz, Hirn und Bauch(gefühl) alle überein stimmen und aus dieser Übereinstimmung heraus gehandelt wird. Wer jedoch selbst einmal versucht hat, den inneren Kobold abzustellen, der weiß, wie schwer das manchmal sein kann.

Mit meiner eigenen Achtsamkeit kann ich meinen Kobold zum schweigen bringen, denn meine Achtsamkeit ist auf meine Empfindungen ausgerichtet, mein Innenleben. Auch durch das Erspüren, dass sich etwas nicht rund, unbehaglich anfühlt, kann ich es so wie es ist annehmen und ansehen, um dann in liebevollem Umgang mit mir selbst, es zu verwandeln, aufzulösen oder zu behalten. Das ist alles eine Frage meiner eigenen Entscheidung. So wird Achtsamkeit zu Selbstverantwortung.

Kannst Du Dir Deine Welt authentischer vorstellen? In welchen Bereichen empfindest Du es als besonders leicht, und wo als besonders schwer; wo wiederum als besonders wichtig? Und inwiefern spielen Achtsamkeit und Authentizität ineinander?

Ich lade Dich ein, Dein Leben und Dich selbst unter dem Gesichtspunkt der Authentizität zu betrachten. Wie ist Dein spezielles Verhältnis zu echter Ehrlichkeit, Erotik, wie authentisch bist, isst und lebst Du? Hälst Du es für möglich, dass wir jemals zu einem wirklich ausbalancierten Verhältnis kommen; dass Be- und Verurteilung eines Tages Geschichte sein werden? Ich freue mich auf Deine Kommentare!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s